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Kultur und Digitalisierung II - speichern, aufschreiben, überliefern

# Bruno Spoerri, Georg Christoph Tholen, Bernhard Serexhe, Tabea Lurk, Claudia Hinden, Uwe Jochum, Marc Grellert, Aldo Gardini



 
Do 04. Jun 2009 16.00 Uhr bis Sa 06. Jun 2009 12.00 Uhr | Romainmôtier
 

Im zweiten Colloquium zum Thema Kultur und Digitalisierung steht die Thematik des Speicherns, Aufschreibens und Überlieferns im Vordergrund.

2008 hat im L’arc eine mehrjährige Recherche zum Thema Kultur und Digitalisierung angefangen. Die Durchdringung des Alltags mit digitalen Medien erscheint zunehmend als tiefgehende Innovation und epochaler, einschneidender Medienumbruch: Der Computer ist zum Leitmedium der Gegenwart, der Gebrauch des Computers zu einer Kulturtechnik geworden.

Kultur und Medialität sind eng miteinander verbunden. Was passiert aber in diesem Medienumbruch in Kultur und Gesellschaft genau? Wo sind die Bruchlinien? Welche Chancen bietet dieser Wandel?

Im ersten Colloquium wurde nach den Spuren dieses Umbruchs in der Alltagserfahrung der Generationen gefragt. 2009 stehen Fragen rund um die Dynamik von Gedächtnis und Erinnerung, von Festhalten und Überlieferung im Mittelpunkt.

In unserer Kultur – und zwar in der Alltagskultur ebenso wie bei der künstlerischen Tätigkeit im engeren Sinn – spielen Aufschreiben, Festhalten, Aufbewahren, Weitergeben und Verbreiten eine zentrale Rolle. Dazu bediente sich die Kultur der Medien – zunächst basaler wie Stimme, Schrift, Buch. Ab dem 19. Jahrhundert kamen die technischen Medien dazu: Photographie, Grammophon, Schreibmaschine, Kino etc. Ein radikaler Medienbruch erfolgte Ende des 20.Jahrhunderts mit den digitalen Medien.

Was bedeutet dieser Medienumbruch für eine Kultur, in der diese Erinnerungs- und Aufbewahrungs-Techniken so zentral sind? – Im Colloquium konzentrieren wir uns dabei auf die Bereiche Musik, Architektur, Buch.

Das Colloquium im L’arc Romainmôtier soll – ganz in der Tradition dieses Hauses – mehr als ein wissenschaftliches Symposium sein: ein Workshop, in dem die Begegnung von KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und KulturfördererInnen im Mittelpunkt steht. Die einzigartige mittelalterliche Anlage soll dabei nicht nur ein angenehmer Aufenthaltsort sein, sondern thematischer Bezugspunkt in einem Koordinatensystem, dessen Dimensionen sich laufend erweitern.


Leitungsteam
• Veronika Sellier, Leiterin L’arc, Migros-Kulturprozent, Zürich
• Dominik Landwehr, Leiter Pop und Neue Medien, Migros-Kulturprozent, Zürich
• Peter Haber, Historiker, Historisches Seminar der Universität Basel
• Claudia Rosiny, Medienwissenschafterin, Bern

Öffentliche Anlässe

Am Donnerstag 4.Juni 2009 um 21.00 Uhr zeigen die beiden Solothurner Künstler Flo Kaufmann und Strotter ihre Performance "Durchdrehen" für Bierdosen und eine manipulierte Vinylplatten-Schneidemaschine.

Am Freitag 5.Juni um 20.15 spielt die Zürcher Organistin Claudia Hinden auf der Orgel der Klosterkirche von Romainmôtier ein Konzert mit geistlicher Musik. Zu hören sind Werke vom Mitttelalter bis ins 19.Jahrhundert.

Detailprogramm im nebenstehenden PDF Dokument.


Biographie Bruno Spoerri
Bruno Spoerri ist Saxophonist, Komponist & Arrangeur, Spezialist für elektronische Musik und interaktive Computermusik-Installationen. Komponierte die Musik u.a. zu vielen Filmen, Hörspielen und TV-Produktionen. 1965 erste elektronische Gehversuche, Improvisation mit interaktiven elektronischen Mitteln seit 1971. Seit 1985 Co-Direktor des Schweizerischen Zentrums für Computermusik, Lehrtätigkeit im Gebiet der elektronischen Musik, der Jazzgeschichte und der Filmmusik.

Biographie Georg Christoph Tholen
Jg. 1948. Seit 2001 Ordinarius für Medienwissenschaft mit kulturphilosophischem Schwerpunkt an der Universität Basel. Studium der Philosophie, Soziologie und Psychologie an den Universitäten Bonn,Köln, Marburg und Hannover. 1980-2000 Lehrbeauftragter für Kulturphilosophie und Medientheorie u.a. an den Universitäten Berlin, Bremen, Frankfurt a. M., Kassel, Klagenfurt, Berlin und Lüneburg. Forschungsschwerpunkte: Grundlagen der Medientheorie, Zeit und Raum, Aisthesis und Medialität, Erinnern und Vergessen. Er ist einer der Pioniere einer deutschsprachigen kulturwissenschaftlich geprägten Medienwissenschaft, die ab den 1980er Jahren zunehmend populär wurde und technische Medien, vor allem den Computer und das Digitale ntersucht.

Biographie Bernhard Serexhe
Jg. 1950. Kunsthistoriker, Soziologe, Autor und Kurator. Studium der Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Kunstgeschichte. Promotion in Kunstgeschichte über die Kathedrale von Autun (Frankreich), archäologische Forschungen und Restaurierungsstudien zur romanischen Architektur in Burgund, wissenschaftliche Publikationen zu Architektur- und Denkmalgeschichte, Kunst und Medienkritik. Seit 1995 medienpolitischer Berater des Europarats Straßburg, beratende Tätigkeit für internationale Kulturinstitutionen und NGOs; 1994–1997 Kurator des Medienmuseums im ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe,1998–2005 Leiter ZKM | Museumskommunikation; seit 2006 Hauptkurator ZKM | Medienmuseum. Lehraufträge: 1999 Russische Akademie der Künste Sankt Petersburg, 2000 - 2001 und 2008 Universität Bern, 2001 Universität Basel, 2001 Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, 2002 - 2006 Lehrauftrag für S. 3 | 8 Medienkunst Universität Karlsruhe; seit 2008 Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Istanbul BILGI-University.

Biographie Tabea Lurk
Jg. 1977. Studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie (Nebenfach Philosophie und Ästhetik) an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und promoviert an der Kunsthochschule/Universität Kassel. Seit September 2006 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt AktiveArchive an der Hochschule der Künste Bern (HKB) und leitet seit Mai 2008 das Artlab im Fachbereich Konservierung und Restaurierung der HKB. Zwischen 1999 und 2006 arbeitete sie in unterschiedlichen Abteilungen und Funktionen am ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe.

Biographie Claudia Hinden
Jg. 1963. Studium der Musikwissenschaft an der Universität Zürich. 1988 Gründung der «Schola Gregoriana Turicensis» am Zürcher Grossmünster.1993 Berufung als Organistin an die Zürcher Wasserkirche. Kirchenmusikstudium bei Hans Vollenweider, Pater Roman Bannwart und Pater Daniel Meier, OSB Einsiedeln. Konzertdiplom mit Auszeichnung 2001. Anschliessend acht Jahre Forschung am «Gregorianischen Choral» zu den Themenbereichen: Modologie und Komposition im liturgischen und sprachlichen Kontext und: Der «Gregorianische Choral» als musikalisch selbständige Kunstform und seine Überlieferung. Konzerte, Workshops, Vorträge. Seit 2008 verschiedene Kompositionen für private Aufführungen. (Stand Juni 2009)

Biographie Uwe Jochum
Jg. 1959. Studium der Germanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg. Promotion 1988 in Düsseldorf bei Jochen Hörisch. Seit 1989 wissenschaftlicher Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Konstanz. Zahlreiche Publikationen zu Bibliotheksgeschichte und -theorie im Rahmen einer Medientheorie, die als Medientheologie entfaltet wird.

Biographie Marc Grellert
Jg. 1963. Architekturdiplom der TU Darmstadt. Nach mehreren Jahren Mitarbeit in einem Architekturbüro 1999-2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Darmstadt im Fachgebiet Informations- und Kommunikationstechnologie in der Architektur. 2000 Mitbegründer der Firma Architectura Virtualis, 2007 Dissertation «Immaterielle Zeugnisse – Synagogen in Deutschland», ab 2003 Lehraufträge. Verschiedene Projekte zur Visualisierung von Architaktur, beispielsweise 3D-Computer Rekonstruktionen «Der Vatikanische Palast zur Zeit der Hochrenaissance», «Der Moskauer Kreml – 850 Jahre Baugeschichte im Computer», «Die Geschichte des Berliner Olympiageländes», «Ephesos» und diverse Rekonstruktionen von Synagogen. (Stand Juni 2009)

Biographie Aldo Gardini
Jg. 1945. 1966 Sende- und Servicetechniker bei der SRG (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft). 1969 ARD-Schule für Rundfunktechnik. 1972 Tonmeister bei Spielfilm in Kreta (Xavier Koller) und bis 1979 weitere Reisen als Tonmeister bei Filmprojekten in Kenia, Malawi, Südafrika, Mozambique und Sudan. 1980 Technischer Leiter Schweizer Radio DRS an den Olympischen Sommerspielen in Moskau. 1985 Wechsel von der Technik in die Abteilung Drama und Feature und seither als Redaktor und Autor zuständig für Feature-Programme. Ab 1981 Kursleiter bei der SRG in der internen Ausbildung. 1995 und 2004 Organisation von internationalen Konferenzen mit rund 70 Feature-Autoren aus aller Welt. Verschiedene (14) nationale und internationale Preise, darunter der Basler Featurepreis, Prix Suisse, Prix Europa, Prix Italia.(Stand Juni 2009)





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  PDF  
  # Tagungsprogramm
  # Biografien und Abstracts
  # Konzept
  # Bernhard Serexhe: Neue Medien - kurzes Gedächtnis?
  # Konzertprogramm Claudia Hinden 5.6.
     
  AUDIOFILES  
  # Claudia Hinden: Das Ohr und die Schrift oder: Kann man Musik sehen?
  # Georg Christoph Tholen: Archiv - Speicher - Erinnerung.Eine (vorläufige) Ortsbestimmung des kulturellen Gedächtnisses
  # Aldo Gardini: Sichtbare Töne - der Einfluss der Digitaltechnik auf die Produktion von Radiosendungen
  # Käthe Walser: Die Bilderzeugung vor dem Hintergrund der jeweiligen technischen Möglichkeiten
  # Bernhard Serexhe: Neue Medien - kurzes Gedächtnis?
  # Tabea Lurk: Degradation als Alterungsphänomen
  # Bruno Spoerri: Zur Dokumentation elektronischer Musik - früher und heute
  # Marc Grellert: Potentiale digitaler Technologien für die Erinnerungskultur. Die zerstörten Synagogen in Deutschland
  # Uwe Jochum: Der Körper der Tradition. Mit den Medien die Welt sehen
  # Schlussdiskussion Colloquium Kultur und Digitalisierung 2009
  # Strotter Ins / Flo Kaufmann: Durchdrehen
     
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  # Histnet zum Symposium "Kultur und Digitalisierung" 2010
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  # Kultur und Digitalisierung 1: 2008
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  Cour du Cloître - - 1323 Romainmôtier
P 024 453 19 19 - F 024 453 19 21 http://www.l-arc.ch/
Verantwortlich: Béatrice Monnier (arc.migros@bluewin.ch)
 
     
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  # Colloquium "Kultur & Digitalisierung" 2009