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28.08.06

Ode an die Fernbedienung

rc_k.gifEin waschechter Couchpotatoe braucht mindestens drei Dinge: Eine bequeme Sitzgelegenheit, ein zu dirigierendes Gerät - favorisiert: der Fernseher, alternativ aber auch gerne eine Stereoanlage. Und natürlich eine Fernbedienung.
Weil die sozusagen die entscheidende Körperextension der Spezies menschlicher Sofakartoffel ist, hat sie längst einmal eine eigene Würdigung verdient.

Das findet jedenfalls der Berliner Journalist und Hörspielautor Peter Kaiser.
rc_g.gifUnd hat dem "Lazy Bone" - wie die Amerikaner ihre praktische Erfindung nannten - ein knapp einstündiges Hörspiel gewidmet, das am heutigen Montag (28.08.06) um 23:05 Uhr im Dritten Radiokanal des Westdeutschen Rundfunks (WDR3) ausgestrahlt wird, welcher wiederum via Webradio natürlich auch aus der Schweiz mitgehört werden kann.

Allerdings beschänkt sich seine Ode auf die Fernbedienung mitnichten nur auf jene Funktionen, die den meisten Menschen händig sind, wenn sie abends von Fernsehkanal zu Fernsehkanal hüpfen.
Vielmehr gibt sie den kleinen Helferlein auch einen Zipfel jener Magie zurück, die jede Technologie mindestens noch zur Zeit ihrer Einführung für jene besitzt, die eigentlich Herr über sie sein wollen oder sollten...

Die Daten:
Kontrolle Infrarot
Hörspiel von Peter Kaiser
WDR 2006 - Regie: Martin Zylka
[Reihe: WDR Hörsipel]
Ausstrahlung über WDR3 am Montag, 28.082006 um 23.05

[Bildchen: Selbstgebastelt. Für das Vor-Bild des Helferleins dankt miss.gunst Nutzer/in Dori aus der englischen Wikipedia, welche/r selbiges dem entsprechenden Artikel über die "Remote Control" zur Verfügung gestellt hat.]

21.08.06

HOME MADE in Solothurn

solo0.gifSeit dem vergangenen Wochenende (18./19.08.) hat das HOME MADE LABOR in Solothurn Station bezogen. Gleich an zwei Orten der Stadt wird nun noch bis einschliesslich Ende dieser Woche an Klangobjekten gebastelt - und dementsprechend auch noch Einiges zu hören und zu sehen sein.

Zum einen finden ab dem heutigen Montag (21.08.06) im Alten Spital mehrere Workshops statt.

solo1.gifUnter anderem kann man sich von Andres Bosshard in die Kunst der Klanggärtnerei einweisen lassen - und zwar höchst anschaulich, insofern der Künstler vor Ort bereits fleissig gesät und geackert hat (mehr zum Thema Klanggärtnerei im Grossen und Ganzen im HOME MADE WEBLOG).
Oder bei Iris Rennert mehr über die Klangbastlerei mit Lötkolben, Drähten und Lautsprechern lernen.
Aussderdem führt Simon Graf führt in den Umgang mit Mixern und Lautsprechern ein, mit Uwe Schüler lassen sich Sonnensänger basteln (mehr dazu ebenfalls im HOME MADE WEBLOG); Flo Kaufmann zeigt, wie man CMOS Chips zum Klingen bringt; mit Simon Berz und Kaspar König werden Klangfahrräder ins Rollen gebracht.

solo2.gifZum anderen hat Christoph Hess a.k.a. Strotter Inst. im Solothurner Künstlerhaus ein ganzes Programm mit Ausstellung, Vorträgen und Konzerten auf die Beine gestellt (hier im Überblick als pdf).
Während neben den bereits genannten u. a. auch Anyma und Oli Dolder mit Klanginstallationen im Haus vertreten sind, spielen am Donnerstag Kaleidophone und am Freitag Joke Lanz a.k.a. Sudden Infant zum Konzert auf - je auf ihre Weise, versteht sich.
Und zudem gibt es ab Dienstag ff. auch noch jeden Abend ab 19.00 Uhr ein Nachtessen mit den beteiligten KünstlerInnen.

Wer es unter der Woche nicht schafft, vorbeizuschauen, sollte aber wenigstens das kommende Wochenende reservieren. Dann wird nämlich nicht nur das gerade frisch beim Christoph Merian-Verlag erschienene HOME MADE-Buch vorgestellt (mit Theorie und Praxis zum Thema, letztere in Form von Appetit anregenden Anleitungen zum "Home Cooking").
Vor allem anderen gibt es einen ausgedehnten Konzertabend mit Christoph Grabs "Toy Orchester" (mehr wiederum im HOME MADE BLOG), einer Battle zwischen Flo Kaufmann und Strotter Inst. sowie einer Session mit den wunderbaren Instrumenten von Elixir.

Wir sehen uns also in Solothurn, oder?

20.08.06

Web 2.0 - Modewort, Geldmaschine oder was?

Als anfangs der 90er Jahre das World Wide Web (nicht das Internet!) von Leuten wie Tim Berners-Lee und Robert Cailliau erfunden wurde, träumten viele von einem durchlässigen, demokratischen Medium. Die Hoffnungen haben sich nur zum Teil erfüllt. Unter dem Modewort "Web 2.0" wird der Traum jetzt weiter geträumt. Die Hochschule St.Gallen und Ihr Institut für Medienmanagement beschäftigen sich im Oktober einen Tag lang mit den neuen Möglickeiten.

Das Programm liest sich spannend - das spricht unter anderem der Trendforscher Matthias Horx - er meldet sich gleich mit dem Neologismus "Technolution" zu Wort - in einem Panel geht es um "Unternehmenskommunikation in Zeiten des Corporate Blogging", schliesslich fragt der Chefredaktor der Netzzeitung (ein widersprüchlicher Begriff...) wie Mediennutzer dem Journalismus Konkurrenz machen. Unter "angefragt" ist ein ehemaliger "Chief Scientist" des Internet-Buchhändlers Amazon aufgeführt und der Titel seines Referates ist vielleicht Leitthema der ganzen Tagung "Nutzerwünsche kanalisieren und kapitalisieren".


Damit ist vielleicht auch die Frage nach den neuen Möglichkeit des Internets erledigt. Es geht offenbar nicht um Demokratisierung und der alte Traum von Bertolt Brecht entpuppt sich auch da als Utopie, denn was den Homo Sapiens treibt ist, so will es das Weltbild der Ökonomen, sein Streben nach Reichtum. Wohl bekomms


Wer sich trotzdem für die Tagung interessiert findet auf der Website des Institutes weitere Informationen:
8. =mcmforum Web 2.0 - the next generation

P.S.
miss.gunst kann sich nicht enthalten, frech eine kleine Ergänzung zu diesem Eintrag von Kollegen Sternenjäger einzufügen:
Das Ganze kostet übrigens Teilnahmegebühr: Für Studenten und Frühbucher bis 15. August, CHF 290.– / €190.–, danach - ergo mittlerweile - beträgt die Teilnahmegebühr CHF 490.– / €320.–.
Sage noch eine/r, dass sich mit Web 2.0 kein Geld verdienen liesse...

17.08.06

Elektroakustisch-umwitterter Palazzo Castelmur

castelmur_fassade.jpgEin Lastminute-Tip fürs Wochenende: Wer einmal vom Maloja-Pass hinunter ins Bergell gewandert ist, wird die imposante Fassade des Palazzo Castelmur noch irgendwo im Gedächtnis gespeichert haben. Ein stummes Monument vergangener Zeiten, doch seit Sommer 2005 spukt es im Schlossgarten. Wer sein Gedächtnis elektroakustisch und tontechnisch avanciert auffrischen will, hat diesen Samstag dazu Gelegenheit.

Seit dem Sommer 2005 befindet sich im Bergeller Palazzo Castelmur (in der Nähe von Stampa und Vicosoprano) ein «Giardino del suono», ein elektroakustischer Klanggarten, den der Schweizer Ton-Ingenieur Jürg Jecklin eingerichtet hat. Seit Anfang Woche ist das Zürcher Musik-Kollektiv Superterz im Palazzo Castelmur zu Gast und experimentiert mit der Anlage - die nicht nur den leisesten Windhauch und atmosphärische Schwingungen einfängt, sondern, wenn es denn einmal erforderlich wäre, auch eine Autobahn klanglich simulieren könnte. Diesen Samstag, 19 Uhr, mündet die Experimentierwoche in eine Soundperformance. Das ist zweifellos eine gute Gelegenheit, das kühne Experiment Jecklins- die digital-akustische Erweckung eines Bergeller Architektur-Wahrzeichens - in actu zu erleben. Wer noch zaudert, findet auf clickhere.ch noch etwas mehr Information. Und wer sich dann doch nicht entschliessen könnte, selber hinzufahren, für die oder den schliesst General Stumm dieses kleine Schreibwerk mit dem vermessenen Satz: "Nächstens mehr."

15.08.06

Neue Sender sucht das Land

Das Bakom hat heute die Schalter geöffnet für die Gesuche um eine der drei sprachregionalen DAB-Konzessionen. Bis Ende Oktober kann seinen Antrag einreichen, wer glaubt, zündende, neue und finanzierbare Radioideen zu haben. Mögen die originellsten Konzepte zum Zuge kommen. Und nicht...

Und nicht Muzakformate, bei denen Dir das Gesicht einschläft, wie die da:


"Light-Programm mit viel Musik" für das 2. DAB-Ensemble
(dab-digitalradio) (...) So lässt Christoph Romer von Radio Zürisee gegenüber www.dab-digitalradio.ch verlauten, er hätte eine ganze Reihe von Ideen für DAB-Programme entwickelt. Als erstes würde man aber wohl auf ein "Light-Programm mit viel Musik" setzen, das man zu einem späteren Zeitpunkt redaktionell ausbauen könne. Es handle sich hierbei um ein eigenständiges und exklusives DAB-Programm, das sich im Interesse der Finanzierbarkeit an das jetzige Programm von Radio Zürisee anlehnen würde. (...)


Bitte verschont uns auch von "Old AC" Formaten (alles zwischen Tina Turner und Sting), welche die Radio24- und Basilisk-Eignerin Tamedia im Sinne hat, wie aus gewöhnlich gut informierten Kreisen verlautete.
Wir haben's hier mit einer kleinen historischen Chance zu tun! Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen: 3 sprachregionale, neue Radiokanäle! Wär doch wirklich zum Heulen, wenn da drauf nur wieder more of the same old crap zu hören wär!

14.08.06

Bloggen, die Zukunft der Kommunikation

pbk_ksw.gifOder genauer: Die Zukunft der zwischenmenschlichen Kommunikation.
Die in aktuellen Diskussionen um die Errungenschaften von Web 2.0-Anwendungen wie flickr, MySpace oder YouTube sowie um Nutzen und Nachteile von Blogs bzw. des Bloggens ja gern ins Spiel gebracht wird.

In der patapedia - weder verwandt noch verschwägert mit noch verantwortet von Kollegen patsch, sondern das Wiki des Pataphysics Lab, das sich in der Tradition von Alfred Jarrys Pataphysik sieht - findet sich unter dem Lemma "Blogs" der folgende Eintrag zum Thema:

"When we all have blogs we won't have to communicate with each other anymore."

Klingt plausibel. Einerseits.
Anderseits aber auch wieder nicht - eben je nachdem, wie man "miteinander kommunizieren" definiert.
Es soll ja auch Menschen geben, die Stunden lang miteinander reden - und sich doch nichts zu sagen haben.
pbk_g.gif
[Bildchen: Selbstgebastelt.]

12.08.06

Postmoderne, Mediengeschichte und anderes von Jochen Hörisch

theorie-apo.jpg Nicht alles, was hier geschrieben wird, braucht im Sinn des klassischen Journalismus einen so genannten Aufhänger oder Buchsenöffner. Ein Blog wie dieses soll auch einfach zufällig gefundenen Gedanken - philosophische "objet trouvés" - versammeln und weitergeben. In diesem Sinn ist der nachfolgende Beitrag zu verstehen. Es ist eine kleine Hommage an den 1951 geborenen und heute in Mannheim lehrenden Kulturwissenschafter Jochen Hörisch. Für mich schlicht eine der originellsten Stimmen der Gegenwart. Zwei Auszüge aus zwei unterschiedlichen Werken sollen dies belegen:

"Theorie-Apotheke" nennt sich eine der neusten Publikationen des Mannheimer Kulturwissenschafters. Es ist "Eine Handreichung zu den humanwissenschaftlichen Theorien der letzten fünfzig Jahren, einschliesslich ihrer Risiken und Nebenwirkungen". Das Buch ist einerseits eine wahre Wohltat für alle, die mit diesen Begriffen nicht bis ins Letzte vertraut sind, egal ob es jetzt um den Konstruktivismus, um Systemtheorie oder um den Iconic Turn geht. Und auch wenn die Artikel äusserst knapp sind - wohltuend knapp möchte man ergänzen - sind sie nie salopp und desavouieren weder Theorien noch (Vor)Denker. Einen besonders schönen Satz habe ich dort zum Stich- udn Reizwort Postmoderne gefunden.


"Die Gereiztheit der Diskussion um die Postmoderne dürfte auch Stellvertreterqualitäten haben. Sie reagiert auf die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der sich postmoderne Befreiungen von alten Grenzziehungen eingestellt haben. Man muss sich immer wieder klarmachen, welch jungen Datums elementare Revolutionen des Alltagslebens in westlichen Breiten sind: die sexuelle Revolution, die Popmusik, der Feminismus, die Computertechnologie, die Entwicklung zur Massenuniversität, die Mulltimediengesellschaft, der halbwegs gelebte Multikulturalismus, die Political-Correctness-Bewegung oder die Emanzipation von Minoritäten aller Art. Das zwölf Jahre zu lang währende Tausendjährige Reich ist gerade mal vor sechzig Jahren untergegangen."

(Jochen Hörisch. Theorie-Apotheke. Frankfurt 2005. Eichborn Verlag. S. 221)


Und wer jetzt nicht genug hat mag weiterlesen - ein anderes Lieblingsbuch von mir ist die Mediengeschichte desselben Autors. Titel und Anfang sprechen für sich:


"Am Anfang war der Sound. Und dieser Sound war so ungeheur, dass wir noch heute sein Echo hören. Das konstante Rauschen, das noch von einem postmodernen Ohr, so es nicht durch Dauersoundproduktion ruiniert wurde, selbst am einsamsten Ort in der stillsten Winternacht zu vernehmen ist, erklären Astrophysiker als Nachhall des Urknalls....vor etwa 12 Milliarden Jahren fing "alles mit einem ungeheuren Getöse an, das sich erst in Jahrmillionen zu dem formte, was Ästheten gerne als "Sphärenharmonie" oder "Sphärenmusik" charakterisieren."


(Jochen Hörisch. Jochen Hörisch: Eine Geschichte der Medien. Von der Oblate zum Internet. Frankfurt 2005. Suhrkamp. S.23) .

Einen schönen Text von Jochen Hörisch "Die Heilsversprechen der Neuen Medien" kann via den Beitrag aus dem Sternenjäger-Blog heruntergeladen werden.

11.08.06

Schwarzer Rauch über dem DVD-Player

Die Free Software Foundation verweist auf eine Site mit Infos zur Problematik der hochauflösenden DVD-Nachfolger Blu-Ray und HD-DVD. Besonders nett am DRM-(Digital Rights Management) System AACS, das zumindest BluRay verwendet: Es kann Deinen DVD-Player zerstören, wenn Du entweder eine nicht-lizenzierte Scheibe einlegst oder Deine Hardware auf eine Weise manipuliert ist, die der Blu-Ray-Association nicht passt.

Wikipedia meint dazu:


Bei AACS besteht die Gefahr, daß ein legal erworbenes Abspielgerät jederzeit, ohne Einfluß des Besitzers AACS geschützte Medien nicht mehr abspielen kann, sobald dieses Gerät von der AACSLA Organisation auf die schwarze Liste der geknackten Geräte gesetzt wurde. Dies liegt daran, da jedes Gerät mit einem Geräteschlüssel versehen wird, welcher zum Entschlüsseln der geschützten Daten benötigt wird. Anhand dieses Schlüssels können Geräte, die aus irgendeinem Grund geknackt wurden, jederzeit erkannt und rückwirkend unbrauchbar gemacht werden. Jeder Datenträger enthält nämlich eine schwarze Liste mit nicht mehr zulässigen Geräteschlüsseln, diese Liste kann wie bei einem Virenkiller von der AACSLA Organisation jederzeit aktualisiert werden. Sobald ein Benutzer also einen neuen Datenträger mit einer aktuellen schwarzen Liste, bei dem sein Gerät nicht mehr zugelassen ist, in sein Abspielgerät einlegt, wird das Gerät als verboten gebrandmarkt und zum Abspielen unbrauchbar gemacht. Dieser letzte Schritt führt dann auch dazu, das auch ältere Datenträger, die vorher problemlos gingen, sich nicht mehr auf diesem Gerät abspielen lassen. Dabei ist auch zu beachten, daß der Endverbraucher keine Kontrolle darüber hat, ob der Geräteschlüssels seines eigenen Abspielgerätes irgendwo auf der Welt von einer anderer Person geknackt wird, da der Geräteschlüssel in einer Serie von mehreren Geräten des gleichen Typs vorkommen kann.


Sowas kommt mir nie über die Türschwelle! Je nach dem kann AACS auch verlangen, dass Dein DVD-Player online ist. Damit er mit der Disc in der Schublade einen Check machen kann, ob sie gemäss der fernen Zentrale OK ist. Wenn nicht: Ein kurzer Befehl von der AACSLA und - Bummm - aus Deinem Player steigt schwarzer Rauch und der Bildschirm wird schwarz.


This controversial technology would require that disc players maintain permanent connections to content providers via the Internet, making it possible for discs that fail a security check to trigger a notification process, enabling the provider to send the player a sort of "self-destruct code." This code would come in the form of a flash ROM "update" that would actually render the player useless, perhaps unless and until it is taken to a repair shop for reprogramming.


Ist es überhaupt legal hierzulande, solche Tricks einzubauen? Das aktuelle Urheberrecht äussert sich dazu nicht, glaube ich. Es ist aber eine Revision im Gange, die genau in dem Punkt ("Technologien und Vorrichtungen wie Zugangs- und Kopierkontrollen, Verschlüsselungs-, Verzerrungs- und andere Umwandlungsmechanismen, die dazu bestimmt und geeignet sind, unerlaubte Verwendungen von Werken und anderen Schutzobjekten zu verhindern oder einzuschränken") höchst umstritten ist. Heise hat dazu einen Übersichtsartikel mit allen Links. Wikipedia äussert sich ebenfalls zum Schweizer Urheberrecht. Und das Institut für Geistiges Eigentum widmet der Revision eine eigene, umfangreiche Site.

10.08.06

Zum Jubiläum 25 Jahre PC eine persönliche Geschichte

ibm-pc.jpg

25 Jahre ist es her, seitdem der potthässliche IBM PC auf den Markt kam. Ein grauenhaftes Ding. Und trotzdem: Erfolgreich wie nur weniges. So vieles, fast alles hat sich verändert - nur die Zweiteilung in IBM und Apple hat sich gehalten. Ich bekenne: Ich war keiner der coolen Mac Besitzer - und bin es heute noch nicht - sondern ein ganz banaler PC Mensch.

Mein erster und schönster Computer war aber weder ein Mac noch ein PC sondern etwas ganz Anderes: Ein Commodore 64 in einer exotischen Ausführung als "portabler Computer" namens Commodore SX 64. Er sah ungefähr aus und war auch so gross wie ein Reanimations-Koffer. Wenn man den Deckel abnahm, der gleichzeitig als Tastatur diente, schaute man auf einen farbigen Mini-Bildschirm und auf einen Schlitz für die grossen Disketten...


Den Computer, das muss ich heute sagen, kaufte ich primär aus Neugier. Eigentlich hatte ich keine Zeit, aber der Wunsch so ein Ding zu besitzen, war grösser. Es gab aber einen guten Vorwand: Man konnte mit einem entsprechenden Interface einen Synthesizer mit der eben gerade erfundenen Midi-Schnittstelle steuern. Das ging ganz gut auch wenn die Sache nur bedingt bühnentauglich war. Ich war es ja auch nicht. Später kaufte ich mir ein fettes Buch mit einem Logo-Kurs für Kinder. Ich dachte, wenn die das schaffen, kann ich es vielleicht auch probieren - und erlebte damit erste, ungeahnte Höhenflüge. Etwa wenn man mit wenigen Zeilen ein Programm zu Zeichnen eines Quadrats dazu brachte, ein Vieleck zu zeigen und schliesslich einen Kreis...und Spiele. Neben Dingen wie Space Invaders kamen damals so gennante Text Adventures auf. Spiele, die man in einem meist englischen Dialog spielte...


Ja - und später kaufte ich dann einen IBM Klon. Mit zwei Diskettenlaufwerken, weil mein Geld für eine Harddisk nicht reichte. Damals, das war ungefähr 1984. Den Computer hochzufahren war ein kleines Kunstwerk. Man musste dazu nämlich die Dos-Diskette einlegen und warten. Sobald das zeichen >dir erschien konnte man die nächste Diskette (Speicherplatz 360 KB) mit dem Programm einlegen. Es war Word 1.0 von Microsoft. Und das lief ganz passabel. Gedruckt habe ich damals nicht auf einem dieser schrecklichen Nadeldrucker nein - ich legte mein Geld in einem Typenrad-Drucker an. Der druckte einwandfrei und kein Mensch konnte merken, dass der Text nicht mit Schreibmaschine sondern auf einem Computer geschrieben war. Dafür lärmte die Maschine wie ein Hammerwerk und ich musste manchmal zum Zimmer rausgehen, wenn er einen längeren Artikel druckte....


Nur kurze Zeit später gings bereits in Ausland und mein neuer PC musste zu Hause bleiben. Ich kratzte all mein Geld zusammen und kaufte für ein Heidgengeld einen portablen Computer - einen Bondwell. Er hatte nur noch ein Diskettenlaufwerk, weil die Harddisk hier noch teurer gewesen wäre. Aber Er lief, nur bei Bürotemperaturen ab 40 Grad - in der IKRK-Delegation von Pakistan damals keine Seltenheit - versagte er hin und wieder den Dienst.


Aus dieser Zeit gibts noch eine andere Anekdote zu erzählen: Aufgrund der Spannungsschwankungen im lokalen Netz fiel mein Netzteil einmal aus. Ich wollte schon - damals noch per Telex - ein neues aus der Schweiz bestellen. Rolf Sommerhalder, damals als Radiotechniker bei uns unterwegs hörte davon und meinte: Sowas gibts sicher auf dem Bazar unserer Stadt, Peshawar. Tatsächlich, zwei Stunden später zeigte er mir einen merkwürdigen Blechkasten - offensichtlich aus Abfallteilen gefertigt, mit einem Transformator darin. "Ich habs gemessen, es macht genau so viel Strom, wie Du brauchst". Das low-tech Teil funktionierte trotz meines Misstrauens auf Anhieb und steht wohl heute noch irgendwdo in meinem Keller.

Retronica: Netzwerk zum Thema Computergeschichte in der Schweiz

09.08.06

Das "Poème électronique" in Basel nacherleben

varèse_generator.4.jpgIm Rahmen der Edgar Varèse-Ausstellung im Basler Museum Tinguély findet sich eine Installation zum Poème électronique. Le Corbusier und Varèse haben dieses Ur-Werk der Medienkunst zusammen für die Brüsseler Weltausstellung von 1958 produziert. Im ursprünglichen Pavillon waren rund 350 Lautsprecher installiert, in der Basler Ausstellung lassen sich die Lautsprecher in dem separaten Raum zwar an einer Hand abzählen, aber die Installation ist auch in dieser Minimalversion schlicht überwältigend.

varese_Poeme_1.jpgVarèse hat die Musik mithilfe neuster Philips-Technologie komponiert und Tonbänder verwendet. Die werten Leserinnen und Lesers dieses Blogs, die sich zu einer Reise nach Basel entschliessen, werden dort also in die Anfangszeiten einer Technologie versetzt, deren Ende just am Anfang dieses Blogs bekräftigt wurde (siehe dazu den Blog-Beitrag vom 19. Juni vom sternenjaeger). Varèses Musik ist in Basel kombiniert mit einer Rekonstruktion der Bilderfolge von Le Corbusier zu erleben, wie sie in Eindhoven bei Brüssel wahrscheinlich einst zu sehen war.


Die Ausstellung läuft nur noch bis 27. August, die Zeit drängt also! Zur Vor- oder Nachbereitung sei die kleine Schrift "Edgar Varèse und das Poème électronique, Eine Dokumentation" mit Texten von Dieter A. Nanz und Peter Révai empfohlen: Edgar Varèse und das Poème électronique, Eine Dokumentation. Hg.v. Dieter A. Nanz. Basel: Paul Sacher Stiftung 2006. Zu beziehen über die Paul Sacher Stiftung oder direkt in der Ausstellung "Varèse – Komponist, Klang-forscher, Visionär" im Basler Tinguély-Museum.


Bildnachweis: Das Titelbild hat Cornelia Sollfranks Netzgenerator am 10. August 2006 auf http://nag.iap.de in Regie general stumms erschaffen, die Abbildung des Pavillon stammt von 1958, aus einer Zeitung der Ampex-Produzentin Philips.

08.08.06

Netzkunst-Pensionär bei guter Gesundheit

bunting_sea_gross.jpg «if you fall off, you fall in the deep blue sea»: So lautet Heath Buntings Warnung für diejenigen, die ihn bei seiner Klettertour an die Küste von Southampton begleiten wollen. Höhlen, Klippen und was immer es an unverkabelten Räumlichkeiten dort draussen in der Natur gibt: Sie sind seit einigen Jahren sein bevorzugter Aufenthaltsort. Dabei war Bunting in den 90er Jahren der Vorzeige-Netzkünstler per excellence. 1997 erklärte er sich jedoch für frühzeitig pensioniert.

Denkt er kein bisschen an Schach und Verkabelungen, Bits und Handshake-Töne, wenn er da oben auf der Felsklippe ins Tiefblaue start - und allenfalls springt? Oder zumindest dann, wenn er später in seiner Mitteilung auch noch «deep blue» schreibt? Ich meine, doch, er tut beides! Und pokere: Buntings Verhältnis zum Netz und seinen Maschinen ist nicht weniger intensiv, sondern nur noch dialektischer geworden, als es schon immer war.


Doch wer sich selbst ein Bild von Buntings (Netz und allenfalls Schwimm-)Künsten und der vom ihm Mitte der 90er Jahre gegründeten Plattform http://www.irational.org machen will: In Dortmund zeigt der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) vom 29. August bis 29. Oktober die Ausstellung «The Wonderful World of Irational»..

Wikipedia und die Demokratisierung der Information

Wikipedia, Blogs und andere Erscheinungen der neuen Internet Szene werden in den "alten" Medien heftig diskutiert und mit Misstrauen gemustert. Nach einer ersten Phase der Ablehnung und des Misstrauens von Seiten der Journalisten etabliert sich nun aber immer mehr eine differenzierte Auseinandersetzung. So setzt sich der Ökonom Beat Kappeler etwa in der NZZ am Sonntag vom 6.August mit den Thesen von Benkler ("The Wealth of Networks") auseinander und der Tages-Anzeiger vom 8.August würdigt die Rolle eines medienkritischen Blogs im Kontext des aktuellen Konflikts im Libanon.

Tatsächlich ist es noch nicht lange her, da äussersten sich Journalisten nur negativ, wenn es um Blogs oder die Internet Enzyklopädie Wikipedia. "Nicht brauchbar", "schlecht", "manipulierbar" - hiess es da jeweils etwa in Kommentaren zu Wikipedia und Blogs waren primär Produkte von professionellen Selbstdarstellern. Sehr schön dagegen der Kommentar eines anderen Journalisten der meinte, er wünschte sich gegenüber den traditionellen Medien eine derart kritische Haltung. Was würde passieren, wenn beispielsweise die Faktenlage mancher Artikel in den Tageszeitungen derart skrupulös überprüft würde, wie dies Medienschaffende manchmal mit Wikipedia-Einträgen machen?


Tempi passati, hoffentlich: Der Ökonom Beat Kappeler bespricht in der NZZ vom Sonntag vom 6.August die Thesen von Yochai Benkler "The Wealth of Networks" und konstatiert einen - erneuten - Strukturwandel in der Öffentlchkeit: Sie wird nämlich nicht mehr aus der grossen Hand einheitlicher Massenmedien gefüttert, sondern durch Nutzer, die aus den verschiedensten Gründen Informationen aufbereiten und zur Verfügung stellen. Sehr wohltuend auch die Einsicht zur Relativität des Urheberrechts - das immer mehr zur absurden Götze verkommt: "Denn jedes wissenschaftliche Werk, jede Meldung, jeder Film oder Song baut auf dem auf, was seit dem Neandertal ersonnen wurde. Informations- und Kulturinhalte sind zugleich Input wie Output. Verdienen werden dagegen weiterhin diejenigen, welche die Mittel der Verbreitung aufbauen: Kommunikationsfimrmen, Verlage, Internetriesen".


Die Thesen von Yochai Benkler sind als Buch greifbar und komplett auf dem Internet zugänglich - einmal als PDF und einmal als Wiki.


Blogs und der Libanon-Konflikt
Die Berichterstattung über aktuelle Konflikte folgt einem bestimmten Schema, das sich jedes Mal unweigerlich einstellt. Nach einer Phase von - berechtigter oder nicht berechtiger - Emotionalität, folgt die ernüchternde Feststellung, dass mindestens ein Teil der Informationen, die bei uns ankommen, verändert, entstellt, manipuliert wurde. So geschieht das auch im Libanon Krieg. Der Tages-Anzeiger vom 8.August greift den Fall eines Fotografen der Bildagentur Reuter auf, der die Rauchschwaden, die nach einem Bombardement von Beirut aufsteigen, optisch verstärkt hat. Interessant, dass ausgerechnet ein Blogger diese Phänome kritisch verfolgt, erfreulich, dass dies in den traditionellen Medien wie dem Tages-Anzeiger auch zur Kenntnis genommen wird.

06.08.06

Wörterbuch des Krieges

wbk_ksw.gifEin Projekt, das leider nicht nur angesichts der jüngsten Kampfhandlungen im Libanon traurige Aktualität besitzt. Denn nach wie vor muss man konstatieren, dass die Menschheit insgesamt bis heute nicht gelernt hat, ihren Planeten in Frieden zu besiedeln. Irgendwo ist immer Krieg.

Die Schauplätze mögen dabei ebenso wechseln wie die Begründungen, mit denen Menschen zu rechtfertigen versuchen, warum es angeblich mal wieder unabdingbar ist, in diesem Zuge Zerstörung und Tod über ihresgleichen zu bringen. Letztere allerdings weisen, mindestens in ihrem Vokabular, immer wieder Ähnlichkeiten auf.
Da kann es durchaus nahe liegen, sich die verbalen Geschosse einmal systematisch vorzunehmen und genauer anzuschauen.


wbk_g1.gifDas Wörterbuch des Krieges ist

"eine kollaborative Plattform zur Herstellung von Begriffen. 100 Begriffe zum Thema Krieg werden in vier öffentlichen, jeweils zweitägigen Veranstaltungen in Frankfurt, München, Graz und Berlin von Wissenschaftlern, Künstlern, Theoretikern und Aktivisten gebildet, präsentiert und veröffentlicht."


Eine Definition, die - zumal angesichts der mehrfachen Wortwiederholungen - ebenso hilflos wirken mag wie Worte überhaupt angesichts der Macht des Faktischen.
Widerständigkeit beginnt jedoch im Kopf und hat dort ihre letzte Zuflucht, wenn es für das Handeln keine Möglichkeitsräume gibt.


Als Denkanstösse sind die Beiträge, die in bislang zwei Veranstaltungsstationen - Frankfurt am Main und München - gesammelt wurden und nun im WWW in Form von Video-Clips online zur Diskussion gestellt werden, daher allemal geeignet.


An der Tatsache, dass Menschen schier unglaubliche Mengen an Energie, Intelligenz, Kreativität, Erfindungsgabe, Geld aufzubringen bereit sind, wenn es darum geht, ihresgleichen möglichst effektiv zu unterdrücken, zu quälen und zu töten, werden sie wohl wenig ändern können. Aber gerade deshalb und insofern wegschauen - nicht(s) sehen, nicht(s) hören, nicht(s) sagen - auch keine Alternative ist, bleibt die Auseinandersetzung mit und in Worten noch die beste Möglichkeit, sich und andere mit dieser Tatsache zu konfrontieren [sic].

02.08.06

Elektromagnetischer Sommer

ems06_kc.gifBereits zum dritten Mal in Folge lädt Kanal 7 zu einer Themenwoche im Rahmen des Elektromagnetischen Sommers auf Radio LoRa ein. In diesem Jahr mit einem ganz besonderen Programm zur elektronischen Kultur - das mindestens vor Ort in Zürich nicht nur etwas auf die, pardon: für die Ohren bietet.

Erstmal soll Radio natürlich als Radio funktionieren.
Keine Sorge: Das bietet das Kanal 7-Radio selbstredend schon mal routinemässig. Und weil es auch als Webradio zu empfangen ist (Stream über den anorg-Server oder wie gewohnt bei Radio LoRa): im Prinzip sogar 24 Stunden am Tag wwweltweit.

Bestückt wird der musikalische Teil des Programms aus den reichhaltigen Vorräten des Musikalischen Eichhörnchens, nämlich der Netlabel-Plattform (und Datenbank) Sonic Squirrel.

em06_g.gifWer jetzt launig meint, da könnte man sich ja nun auch selber seine sonische Versorgung sichern - das ist zwar sachlich richtig, aber bei Kanal 7 findet sich eben nun jeden Tag ein Spezialmenü zusammengestellt, das man so vielleicht nicht von alleine auswählen würde. Nämlich in Form einer Wundertüte, die täglich ein anderes Motto hat.
Heute (Mittwoch 02.08.06) waren zum Beispiel jene Stücke dran, die am seltensten aus der Datenbank abgerufen werden: LOOSERS DAY hiess das Ganze - und hörte sich über weite Strecken eher so an, als würden auf den unteren Listenplätzen tatsächlich einige entdeckenswerte Talente schlummern.

Damit nicht genug, wird das Musikprogramm aber auch ab und an durch Gastbeiträge bereichert - Montag beispielweise gab eine spannende Sendung zum Thema Datenschutz aus dem Podcasts-Archiv von netzpolitik.org.

Last but not least empfiehlt es sich in diesem elektromagnetischen Sommer jedoch auch, die kanal 7-Sendestation vor Ort im bzw. in den Räumlichkeiten von dock 18 zu besuchen.
Dort hat nämlich die "Art and Travel Agency" sofatrips.com ihre aktuelle Ausstellung um eine, d.h. die Radiowoche, verlängert.

Mehr dazu im Netzmagazin clickhere.ch, für das Carmen Weisskopf einen Beitrag über das Projekt sofatrips geschrieben hat.
Mehr zum Elektromagnetischen Sommer auf dessen Programmseite bei Radio LoRa - sowie, für allgemeinere Lobrede auch (click)here und hier im HOME MADE weblog.

Und mehr zum kanal 7-Programm natürlich am allerbesten, ganz Ohr, im (Web-)Radio...

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