13.03.07 08:20

Cabaret Voltaire kitzelt Opernhaus

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"Opera calling" heisst eine Installation der Künstlergruppe "bitniks", die zur Zeit im Cabaret Voltaire in Zürich zu sehen ist. Wenig Freude daran hat, so ist den aktuellen Zeitungen zu entnehmen, das Zürcher Opernhaus.

Die Installation im Cabaret Voltaire besteht aus einer hintersinnigen Anordnung: Sie überträgt nämlich per Telefon Signale, die von drei Wanzen im Zürcher Opernhaus eingefangen werden, an zufällig ausgewählte Haushalte in der Stadt Zürich. Die Zeitung 20Minuten berichtet, dass während der Premiere von "La Bohème" am Freitagabend bei 120 Zürcherinnen und Zürchern das Telefon geklingelt habe. Das Opernhaus, das hier in Genuss einer aussergewöhnlichen Werbeaktion kommt, reagiert ungehalten und prüft rechtliche Schritte.


Philipp Meier, Leiter des Cabaret Voltaire erklärt zu dieser Aktion:"Es geht uns darum, neue Strategien der künstlerischen Vermittlung zu probieren - wir finden einen direkten Weg zum Publikum." Meier kalkuliert die Reaktion des Opernhaus durchaus mit ein, wie er in it einem Interview mit rebell.tv verrät. "Die Ausstellung entsteht erst durch die Aktion, auch indem die Zeitungen darüber berichten."


Hintersinnig übrigens auch die Erklärung, welche die Gruppe "bitniks" auf der eigens für dieses Projekt eingerichteten Website abgibt, wo sich auch - ganz im Sinn des Open Source Gedankens - eine Anleitung für ähnliche Aktionen findet:


"You’ve always wondered why there was no connection between opera and open access? You’ve always dreamed of sharing your love of arias with the whole town? Tired of having to dress up every time you want to see a performance in the opera? Would you love to go to the opera *every* night, but don’t have the necessary cash?"


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Das Kalkül von Philipp Meier scheint aufgegangen zu sein, eine Reaktion ist da und die Medien berichten darüber. Erstaunlich dabei die Humorlosigkeit des Zürcher Opernhauses, dessen Budget übrigens zu einem wesentlichen Teil vom Steuerzahler des Kantons Zürich berappt wird. Überraschend auch eine weitere Tatsache : Stimmt denn die Story mit den Wanzen überhaupt? - Was wäre denn, wenn die Künstler nur behaupten, sie hätten Mikrophone platziert - die Musik in Wirklichkeit aber ab CD gespielt wird?


Provokation als künstlerische Strategie ist nicht neu. Und Zitate gehören ebenso zur Kunst und zwar nicht erst seit heute. Schon Bach bediente sich für seine Werke aller möglichen Quellen. Aber es funktioniert. Oder ist das Ganze eventuell eine Werbeaktion des Zürcher Opernhauses, umsichtig und klug eingefädelt von einer Werbe-Agentur. Virales Marketing nennt sich sowas dann im Fachjargon.


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Infos zum Cabaret Voltaire
Übrigens: Die Zeichenspinne von Lars Vaupel ist weiterhin im Shop des Cabaret Voltaire zu sehen. Sie krabbelt dort noch bis Ende März.





Publiziert von Sternenjaeger am 13.03.07 08:20 in der Kategorie hingehen

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