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08.02.10

Hightech von gestern: Besuch im Depot des Museums für Kommunikation

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Die Geräte im Depot des Museums für Kommunikation gehören zum Besten und Teuersten, was es einmal gab: Fernsehkameras, Projektoren, Radios – aber auch Handies, Computer und sogar Postkutschen. Die hier gelagerten Appörarate haben die besten Chancen, mindestens die nächsten Jahrzehnte zu überstehen und dereinst vielleicht in einer Ausstellung wieder aufzutauchen.

Das Testbild des Schweizer Fernsehens aus der Ära des Schwarzweiss-Fernsehens in den 60er Jahren: Ein A4 grosses Foto, das von einer Kamera gefilmt wurde. Voilà. So einfach war das. Neben ihm stehen voluminöse und tonnenschwere Kameras auf Rollen. Staunend haben wir sie damals angeschaut, wenn sie mal ins Bild gerückt wurden.

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Ein Eidophor: Ein leistungsfähiger Grossbildprojektor für Fernsehbilder. In der Schweiz erfunden und seit den 50er Jahren von der Regensdorfer Firma Gretag weltweit verkauft. Gerät und Firma sind Geschichte, welche die Zürcher Historikerin Caroline Meyer in ihrem Buch "Der Eidophor" aufgearbeitet hat. Im Gespräch mit Dominik Landwehr berichtet sie im digital brainstorming Podcast über die Visionen des Eidophor Erfinders.

Der Kurator Rolf Wolfensberger und der Techniker Max Leiser gehören zu den Profis, welche die Geräte hier hüten und erhalten. Keine leichte Aufgabe: Allein schon die Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Halle ist nicht banal.

Auch das Gebäude ist Teil der Schweizer Mediengeschichte: Hier war bis 1998 der Kurzwellensender Schwarzenburg – spassehalber auch Schwarzwellensender Kurzenburg genannt und bis zu seinem Ende kontrovers: Bauern beklagten sich über sinkende Milchleistungen und hörten Radioklänge an merkwürdigen Orten.
Im Gespräch mit Dominik Landwehr erklären der Kurator Rolf Wolfensberger und der Techniker Max Leiser Aufgaben und Schwierigkeiten dieser Sammlung.

Wer sich für Medien- und Kommunikationsgeschichte interessiert, besucht das Museum am besten gleich selber. Und wer dann immer noch nicht genug hat, kann auch das Depot besichtigen. Voranmeldung ist allerdings unerlässlich und ein Unkostenbeitrag wird ebenfalls erhoben.

Gespräch mit Rolf Wolfsenberger und Max Leiser im digital brainstorming Podcast (28 Minuten)

Gespräch mit der Zürcher Historikerin Caroline Meyer über die wechselvolle Geschichte des Eidophor.

Alle Informationen unter www.mfk.ch

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04.02.10

Grrrrs Video- und Open-Access-Buch

Der Zürcher Künstler Ingo Giezendanner hat eine Reise nach Baku dokumentiert, wie er vielleicht noch die ganze Welt allmählich zu erfassen gedenkt: zeichnenderweise. Und hat nun aus diesen aserbeidschanischen Aufzeichnungen das Buch "Baku & Back" gemacht, das er vor einigen Wochen in der Galerie Perla Moda an der Langstrasse präsentierte. Doch warum erfahren ausgerechnet Blog-Leserinnen und Leser von einer Buch-Vernissage erst Wochen später, und was hat ein Buch mit Zeichnungen überhaupt in einem Blog über digitale Kultur verloren?grr41_map.jpg

Zum Zeitpunkt: Gestern in der Nacht endlich traf die Nachricht ein, dass das neue Buch online ist, womit auch zugleich die Ortszugehörigkeit Giezendanners zur digitalen Kultur ins Spiel kommt: Ingo Giezendanner ist kein Medienkünstler, er ist ein Zeichner, wie Zürich kaum obsessivere hat. Und doch ist sein Werk eng mit dem Computer vernetzt. Mit dem vernetzten wohlverstanden, denn nicht der Computer als Malwerkzeug interessierte Giezendanner, als er ihn im Laufe der 90er Jahre einzusetzen begann, sondern der Computer als Kommunikationsmittel. Anfang der 90er Jahre hatte Giezendanner seine Kunst noch per Post verschickt oder in kleinen Broschüren-Auflagen veröffentlicht, damit er frei und selber über die Veröffentlichung seiner Werke entscheiden konnte; dann begann er allmählich, das Netz in den Dienst seines Willens zur freien Distribution zu stellen. Giezendanner, der auch den Übernamen Grrrr verwendet, hat auf der Website www.grrrr.net mittlerweile 41 Werke online geschaltet; eben der Ankündigung von Nummer 41 dienen diese Zeilen.

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Grrrr "kippt" nicht einfach seine Zeichnungen und Publikationen ins Netz, er experimentiert mit dessen technischen Gegebenheiten: Wie Zeichnungen so im Netz veröffentlichen, dass sie nicht nur mit digitalen Luxuskisten abgerufen werden können? Das ist für Grrrr nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine künstlerische. Arbeit Grrrr41 dokumentiert die Konstanz, mit der Giezendanner am Prinzip Lowtech festhält.

Giezendanner nennt Grrrr41 ein "Videobuch": Das Video ist nur in einem kleinen Fenster im Rahmen des ganzen Bildschirmes zu sehen; dieses Verfahren, die Datenmenge klein zu halten, ist bekannt. Doch in Kombination a) damit, dass eine unsichtbare Hand die Seiten umblättert und b) in Kombination mit vielen früheren Arbeiten, in denen Giezendanner andere Wege findet, die Datenmenge klein zu halten, ergibt sich eine medientechnische Eigenwillig- und Hartnäckigkeit, die ein ganz eigenes techno-ästhetisches Vergnügen bereitet.

Wir waren uns nicht ganz sicher, ob Giezendanner auch noch dieses neuste Buch, im Zürcher Verlag Nieves publiziert, im Netz veröffentlichen würde. Ob er nicht doch langsam das Interesse verlieren würde am Prinzip des Open Access, an der Vision, seine Kunst frei nach eigenem Gutdünken und in Eigenregie zu publizieren? Die Publikation von Grrrr41 ist die Antwort.

Siehe frühere Blog-Einträge zu Giezendanner und seinem untergründigen, aber verlässlichen Bezug zum Digitalen: http://www.digitalbrainstorming.ch/weblog/2009/05/giezendanners_videotank.html und http://www.digitalbrainstorming.ch/weblog/2009/05/grrrrvideotank_das_ist_kairos.html

PS: Das Video funktioniert bei Firefox erst ab Version 3.5!

03.02.10

rebell.tv: Vom Blog zum Buch

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"Die Form der Unruhe" heisst ein dickes Buch, das rebell.tv im Herbst 2009 vorgelegt hat. Erstaunlich daran ist die Tatsache, dass es von zwei Personen stammt, die bisher primär mit ihren Blogs in Erscheinung getreten sind: Tina Piazzi und Stefan M.Seydel. Im digital brainstorming Podcast erklärt Stefan M.Seydel warum das so ist.

Schwergewichtig ist es, das Buch "Die Form der Unruhe" - und zwar formal aber auch inhaltlich: 500 Seiten, die Waage zeigt 1.736 kg Gewicht an. Immerhin ist ein Grossteil davon Bild-Dokumentation, sprich Screenshots aus hunderten von Interviews, die Stefan M.Seydel im Lauf der letzten Jahre gemacht hat. Zu entdecken: Bekannte und Unbekannte. Und die selbstdarstellerische Seite des Interviewers.

Dazu eine Reihe von grundsätzlichen Texten - unter anderem. Bazon Brock und Dirk Baecker. Interessant auch die Stichworte, die jeweils auf ein bis zwei Seiten erörtert werden. Titel etwa" "Das Recht zum Dreinreden, Liberale Weltverbesserung, das Unbehaben in der Internet-Kultur".

Im Klappentext schreiben die Autoren:

"Die Unruhe ist evident: Massenmedial, im Umgang mit Information, in der Art und Weise der Wissensproduktion. Mit den rasanten Entwicklungen der Kommunikationstechnologien hat auch die Geschwindigkeit und Radikalität sozialer Veränderungen zugenommen. Diese verstörende wie kreative Unruhe ist das Feld und Interesse von rebell.tv, einer internetbasierten Experimentier-, Entwicklungs- und Kommunikationsplattform im »German-speaking Part of Europe«. Im Zentrum der Arbeit stehen Fragen der individuellen und gesellschaftlichen Verantwortung bezüglich der Gestaltung des Zusammenlebens und der persönlichen Freiheit. Mit Band 1 von "Die Form der Unruhe" legt rebell.tv eine erste Werkschau "Vom Buchdruck zum Computer" vor. Das Buch versteht sich als ein "Statement": Die aktuellen Herausforderungen lassen sich nicht mehr nur über herkömmliche Logiken der Wissensproduktion und -distribution oder Konventionen journalistischer Informationsverarbeitung bewältigen. Band 1 ist ein Zwischenbericht der Suche nach einer Methodologie, mit der tradierte Qualitätsansprüche unter den Bedingungen der Informationsüberflutung realisiert werden können: Durch einen spezifischen Umgang mit der Unruhe. Im Zentrum steht nicht mehr die Aufarbeitung, sondern die Prozessierung von Informationen: Der Kontext ist die Botschaft!"

Das Buch ist beim Junius-Verlag erschienen und kostet offiziell Euro 29.90 / CHF 49.00.

Gespräch mit Stefan M.Seydel - als digital brainstorming Podcast

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