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12.08.10

Survival-Training und dialektische Medienkunst

irational02.jpgSeit vier Jahren bietet der Basler Projektraum Bblackboxx im Sommer ein kulturelles Programm an, das vor allem an die AsylbewerberInnen des nahegelegenen Basler "Asyl- und Empfangszentrums" gerichtet ist. Dieses Jahr hat die Bblackboxx-Initiantin Almut Rembges die britischen Künstler Heath Bunting und James Kennard eingeladen. Digitalbrainstorming.ch widmete deren Workshop-Reihe "Phone Home Haraga, Heath Bunting & James Kennard" schon zwei Beiträge. Diese relativ rege Berichterstattung auf einem der Medienkultur verpflichteten Blog provoziert die Frage: Was haben die "Abenteuer-Training-Camps" von Bunting und Kennard mit Medienkunst zu tun? Überlegungen zu einem irationalen Verhältnis.

HeathJamesStones.jpgBunting und Kennard haben in Basel zwei Wochen lang das getan, was sie, unter anderem auch zu Hause in Bristol regelmässig tun: sich üben in Techniken wie Steinewerfen oder das Klettern auf Bäumen oder den Einsatz von Seilen. Doch Bunting und Kennard sind nicht einfach Outdoor-Spezialisten. Survival-Techniken machen ihnen offenkundig und zugegebenermassen Spass, unbedingt; aber zugleich verstehen sie diese Techniken als eine Reflexion über unsere hochtechnisierte und hochmedialisierte Gesellschaft. Es ist keine Reflexion in Worten, sondern eine Reflexion in Taten. Man könnte auch sagen: eine Reaktion mit Symbolwert. In einer Kurzbiographie auf seiner Website www.irational.org/heath packt das Bunting in die selbstbewussten Aussage, er sei Britanniens wichtigster "practising artist". Und in Bezug auf den Zustand unserer Gesellschaft, auf den Bunting und Heath reagieren, erklärt Kennard resolut: Unsere Zivilisation ist im Niedergang begriffen (We are in decline!).

Steinewerfen stand am Anfang unserer Zivilisation, es ist eine ganz frühe Technologie des Menschen, erklärte Kennard am Rande eines der Bblackboxx-Workshops von letzter Woche. Solche einfachen Techniken haben zu tun mit Kraft, mit Gewalt (Violence), aber zugleich mit Splendour, mit Schönheit, mit Dramatik, erklärt Kennard (vgl. sein kleines Video-Manifest). Die Schnellstrasse, die gleich hinter dem Projektraum Bblackboxx vorbeiführt, so Kennard, sei auch ein Beispiel für menschliche Technologie, sie stehe auch für eine Form von Violence, sie sei eine technologische Höchstleistung. Aber für Kennard verkörpert sie eine destruktive Form von Violence.

Aber die Kunstausübung von Kennard und Bunting, ihr Versuch einer alternativen Ausübung von Violence, sollen mehr sein als nur ein Kommentar in nonverbaler Form. Bunting beansprucht für seine Kunstpraktiken Nützlichkeit: Sein Ziel sei es, so Bunting in seiner Kurzbiographie, ein "skillful member of the public" zu werden. Nicht Weltflucht oder Ausstieg, sondern die Suche nach einem nützlichen Leben innerhalb der Zivilisation, aber zugleich in Distanz zu dieser. Inmitten der Gesellschaft und trotzdem in möglichst grosser Freiheit zu leben, das könnte man als Buntings höchste - angestrebte - Fertigkeit (skill) bezeichnen.

Dieses dialektische Verhältnis von Drinnen und Draussen, von Partizipation und Rebellion, pflegt Bunting auch zum technischen Medium Nummer Eins, zum global vernetzten Computer. Mitte der 90er Jahren galt Heath Bunting als der Netzkünstler schlechthin, aber schon 1997, als der Internet-Hype auf seinem Höhepunkt war, hat er sich eigenhändig für pensioniert erklärt und sich aus der damaligen Szene zurückgezogen. Aber dieser Befreiungsschlag bedeutete für Bunting, den Begründer der KünstlerInnen-Plattform www.irational.org, keine Abkehr von intensiver Auseinandersetzung mit dem Computer. Doch Kommunikationsmedien aller Art in grösstmöglicher Freiheit benutzen und gerade nicht so, wie die Gesellschaft und die Kunstwelt es von ihm erwartet, das war und ist ein Ziel Buntings.

Ein Modellflugzeug und ein digitales Kamerasystem in eine Drohne verwandeln und damit eine militärische Technik zu eigenen Zwecken umfunktionieren, wie das Bunting und Kennard in Basel gemacht haben (siehe unseren Bericht dazu), lässt sich als eine solche Fertigkeit interpretieren. Eine Fertigkeit, die die Wirklichkeit wie eine eng geschnürte Kravatte behandelt, die man etwas lockern muss, um besser atmen zu können. Jeder, der an einem Gefängnis vorbeispaziert ist (und der Weg zu Bblackboxx führt am Basler Ausschaffungsgefängnis Bässlergut vorbei) weiss, wie bedrückend der Anblick von Gefängnismauern auch nur schon von aussen ist. Plötzlich von oben auf das Ausschaffungsgefängnis sehen zu können (das unmittelbar an das eingangs erwähnte Asylzentrum angebaut ist) dank eigener Initiative und eigenem Können und ohne polizeiliche Erlaubnis: Das hat wohl etwas mit dem zu tun, was Kennard unter Violence im positiven Sinn und unter Splendour verstehen will.

Bildlegende: Am Ufer des Basler Flüsschens Wiese: James Kennard (Vordergrund) wählt einen Stein aus, derjenige von Heath Bunting fliegt gerade los. Ganz hinten die Bblackboxx-Projektleiterin Almut Rembges.

PS: Digitalbrainstorming-Blog zu Heath Bunting vom 11. Juni 2006 mit Link zu einem längeren Youtube-Selbstportrait des Künstlers.

11.08.10

Drohnenflug ueber Basler Ausschaffungsgefaengnis als Cyborg-Drama

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Wie schon vor einigen Tagen in diesem Blog berichtet, veranstalten die britischen Künstler Heath Bunting und James Kennard im Basler Grenzgebiet zu Deutschland, wenige Schritte vom Ausschaffungsgefängnis Bässlergut entfernt, seit einer Woche täglich Workshops. Zu den Workshops ist eingeladen, wer immer sich zwischen 14 und 17 beim Projektraum Bblackboxx einfindet; PassantInnen, JoggerInnen, aber vor allem AsylbewerberInnen aus dem gleich ans Ausschaffungsgefängnis Bässlergut angebauten Basler "Empfangs- und Verfahrenszentrum" des Bundesamtes für Migration. Am letzten Freitag, am zweiten Tag ihrer Workshop-Serie, liessen Bunting und Kennard ein Modellflugzeug mit darauf befestigter Kamera minutenlang über Asyl-Lager und Ausschaffungsgefängnis kreisen - doch dann wurde der Drohnenflug zum Cyborg-Drama. Die Basler Medienkunst-Expertin Barbara Strebel hat einige Standbilder aus dem kleinen Video-Drama für Digitalbrainstorming.ch ausgewählt.

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Der Drohnenflug bildete den Abschluss des zweiten Workshops, der am letzten Freitag, 6. August, stattfand. Zuvor hatten Heath Bunting und James Kennard die Teilnehmer des Workshops in die Survival-Techniken des Steinewerfens und Bäumekletterns eingeführt. Hier die zwei Briten während des Workshops am Ufer des Flüsschens Wiese (Heath Bunting im Hintergrund).

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Hier nun das erste Standbild, das von der auf dem Modellflugzeug befestigten Videokamera stammt. Sie filmt James Kennard, der gerade mit letzten Handgriffen die Verankerung der Kamera prüft. Kennard wird das Flugzeug steuern und sich dabei am Rande eines Stoppelfeldes, das an das Ausschaffungsgefängnis grenzt, bewegen.

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Auf einem kleinen Bildschirm auf dem Steuerungsgerät kann Kennard die Sicht der Kamera in Echtzeit mitverfolgen. Sobald das Modellflugzeug abhebt, eröffnet sich dem Piloten der Blick hinter die Mauern des Ausschaffungsgefängnisses, plötzlich ist die Übersicht über das angebaute Asyl-Lager da, die Drohne funktioniert perfekt. Hier der Blick auf deutsches Gebiet.

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Kennard kann mehrere Runden drehen, nun steuert er das Flugzeug knapp an einem Scheinwerfer des Ausschaffungsgefängnisses vorbei - zu knapp! Die Kamera filmt stoisch den herannahenden Mast mit dem Lampenschirm (Übrigens ist natürlich auch an diesem Mast eine Videokamera befestigt. Sie ist auf das Gefängnis-Innere gerichtet und befindet sich weiter unten am Mast ausserhalb des Standbild-Bereiches). Dann kommt es zum Crash, und mit einem Schlag geht Kennard die Übersicht verloren, die Welt steht Kopf.

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Die Welt rast plötzlich kreisförmig dem Betrachter entgegen und nun gerät in den Blick, was nicht Objekt, sondern nur das Hilfs-Medium des Filmens hätte sein sollen: Das in strahlendem Gelb gehaltene Modellflugzeug gerät ins Visier der Kamera. Denn diese hat sich durch den Aufschlag aus ihrer Verankerung gelöst und segelt alleine durch die Luft.

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Das Gefängnis, Objekt der Aufnahme, und das Flugzeug, Medium der Aufnahme, auf einem Bild vereint, die Welt ist einen Moment aus den Fugen. Kennard dazu: "Die Drohne, deren Sicht ich in Echtzeit mitverfolgte, war wirklich wie eine echte Erweiterung meines Körpers geworden, ein richtiges Cyborg-Gefühl. Respektive realisierte ich erst im Moment des Crashes, wie eng ich mit der Maschine verschmolzen war. Es war mir, als würde mir ein Arm abgerissen, als das Flugzeug crashte. Nicht nur das Flugzeug, sondern auch mein Blick wurde plötzlich aus seiner Bahn gerissen!"

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Die Kamera prallt auf den Boden auf und hört auf zu filmen. Das letzte Bild des Videos dokumentiert, dass die Kamera auf den Boden des Stoppelfeldes stiert. Doch zuvor, einen Augenblick vor dem Aufprall, war ihr offensichtlich noch ein letzter Blick in den Himmel gelungen!

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Während Bunting noch quer über das Stoppelfeld rennt und die wertvolle Kamera und das Flugzeug mit einem gebrochenen Flügel an sich nimmt, schlägt sich Kennard schon wortwörtlich in die Büsche. In der Hand hält er das Steuerungsgerät. Zurückgekehrt zum "Basis-Lager" der Workshops, dem Projektraum Bblackboxx, überspielen Bunting und Kennard den Film sofort aufs Laptop. Im Vordergrund Barbara Strebel, die beim Überspielen behilflich ist.

Das aktuelle Programm des Projektes "Phone Home Haraga, Heath Bunting und James Kennard" dauert bis und mit diesen Freitag, 13. August. Am Donnerstag und Freitag werden die Workshops von 14-17 Uhr von Bunting und Kennard kombiniert mit Vorträgen von WissenschafterInnen der Universität Basel:

- Heute Donnerstag, 12. August, 19.30 Uhr, wird die Historikerin Francesca Falk zusammen mit dem Germanisten Martin Mühlheim eine Führung im Grenzgebiet zum Thema "Flucht und Ausschaffung" machen.
- Am Freitag, 14. August, 17 Uhr, wird die Medienwissenschafterin Ute Holl vom Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel über Migration und mobile Medien beim Projektraum Bblackboxx referieren und mit ihrem Publikum diskutieren.

Informationen lassen sich bei der Projektleiterin Almut Rembges unter folgender Mobilephone-Nummer erhalten: 079 791 00 43.

Christian Waldvogel: Prothesengott dank Schweizer Luftwaffe

Christian Waldvogels künstlerische Fantasie ist existentiell abhängig von Technik, ja vereinigt sich mit Technik, und bietet zugleich Momente, in denen sich die künstlerische Idee gegen das Fegefeuer unserer technischen Zivilisation behauptet. Eben einen solchen Moment verdanken wir im Rahmen von Waldvogels aktueller Kunstaktion "The Earth Turns Without Me" der Schweizer Luftwaffe. Am kommenden Samstag, 14. August, 16 Uhr, bietet Waldvogel eine persönliche Führung durch die Ausstellung Earth Extremes im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil an. Die Ausstellung beleuchtet neben Waldvogels jüngstem, von der Luftwaffe assistiertem Projekt, das gesamte bisherige Schaffen des Schweizer Künstlers.
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Christian Waldvogel versteht sich nicht als Medienkünstler, aber praktisch alle seine Arbeiten stehen in engem Verhältnis zu technischen Phänomenen. Doch Medienkunst wird oft missverstanden als Kunst, welche die Entwicklung der technischen Medien ornamental begleitet oder pflichtbewusst kritisch reflektiert. Waldvogel hingegen behandelt technische Phänomene mit einer ganz eigenen Spontaneität und Direktheit, als Werkzeug zu seinen Handen, als faszinierendes Mittel, die Welt neu zu sehen. Oder er versteht solche technischen Phänomene gleich selbst als Teil der Welt. So zum Beispiel gehört zum gegenwärtigen Stand der Dinge, dass wir mit einem Kampfflieger mindestens so schnell fliegen können, wie die Erde sich um ihre eigene Achse dreht, also mit einer Geschwindigkeit von 1,158 km pro Stunde.
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Wer sich mit genau dieser Geschwindigkeit fortbewegt (Richtung Westen notabene), steht in Bezug zur Sonne still. Waldvogel konnte die Schweizer Luftwaffe davon überzeugen, ihn auf einen solchen Flug mitzunehmen und ihm zu erlauben, seine Flug-Kabine in eine Kamera umzuwandeln: Würde das einfallende Sonnenlicht trotz einer Bewegung von 1,158 km/h als Punkt auf dem Foto-Papier erscheinen? Würde Waldvogel also, aus Perspektive der Sonne, stillstehen?

Warum eine solche Aktion? Der Fotograf Jules Spinatsch, der das Projekt als Dokumentarist begleitete, spricht im Rahmen eines Beitrags des Magazins Kulturplatz des Schweizer Fernsehens unumwunden von einer gewissen "Absurdität", welche das Projekt an sich habe; ein ungeheurer Aufwand, der betrieben werde, damit wir stehen blieben. Doch vielleicht sei das eine Metapher für die Menschheit an sich, spekuliert Spinatsch.
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Spinatsch' Deutung erinnert uns an eine Äusserung aus den Pionierzeiten der Medienkunst der 90er Jahre. Der niederländische Open-Source- und Netzkunstpionier Walter van der Cruijsen hatte damals in einem Interview mit dem Schweizer Netzmagazin Slash über das für Open-Source-Tüftler vertraute Phänomen nachgedacht, nächtelang über einem Programmierungsproblem zu brüten und am Ende mit leeren Händen da zu stehen. Er hatte dafür plädiert, diese Situation nicht nur als negativ, sondern als wichtige Erfahrung zu sehen. Eventuell deswegen, weil eine solche Erfahrung des Stillstands eine innere Distanz zum Diktat des technischen Fortschritts ermöglicht?

Die Ästhetik und der Nutzen des Stillstands: In einer solchen noch zu schreibenden kulturphilosophische Untersuchung würde sich Waldvogel also ebenfalls als Verwandter der Medienkunst-Geschichte erweisen. Und vermutlich würden Cruijsen wie Waldvogel Freud zustimmen, der er in seinem berühmten Aufsatz "Das Unbehagen in der Kultur" vom Verhältnis zwischen Mensch und Technik schreibt: "Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht großartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt, aber sie sind nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen.“ Fest steht jedenfalls angesichts eines so vitalen und leidenschaftlichen Umgangs, dass sich Waldvogel auch in Zukunft am Hilfsorgan Technik zu schaffen machen wird!

Für die Ausstellungsführung, die Christian Waldvogel am Samstag, 14. August, 16 Uhr anbietet, kann man sich bei Waldvogel persönlich amelden mit E-Mail an christianwaldvogelatgmail.com.

Die Finissage der Ausstellung "Earth Extremes" im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil findet am Samstag, 22. August statt. Im Rahmen der Finissage, um 13 Uhr, wird ein Gespräch zwischen Christian Waldvogel und dem Kunstkritiker Jörg Heiser stattfinden. Heiser hat auch einen Essay zu dem opulenten Bildband "Earth Extremes" beigesteuert, der dieses Jahr parallel zur gleichnamigen Ausstellung erschienen ist. Weitere Informationen dazu auf Waldvogels Homepage www.waldvogel.com/.

Zum medienkünstlerischen Aspekt von früheren Arbeiten von Waldvogel siehe den Artikel
Demiurgen-Würde und Netzkunst-Piraterie
im Schweizer Medienkunst-Journal clickhere.ch vom 23. August 2005.

Bildnachweis: Christian Waldvogel

08.08.10

Hellraum-Projektor als Robotik-Plattform

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Auf dem Hellraum-Projektor liegen Dinge, die dort eigentlich nicht hingehören: Drähte, Soloarzellen, kleine Motoren. Keine Angst: Das Set ist keine neue audiovisuelle Lehrmethode, sondern ein künstlerisches Konzept. "Kunst und Musik mit dem Tageslichtprojektor" heisst es und dahinter steht eine Gruppe von Künstlern, darunter Christan Faubel, Ralf Schreiber und Tina Tonagel - und die drei waren auch Gast im DIY Workshop im L'Arc Romainmôtier im August 2010. Im digital brainstorming Podcast erklären zwei der Künstler Konzept und Potential dieser originellen Methode

Was bei der Zusammenarbeit herausgekommen ist, war am Freitagabend vor kleinem Publikum zu hören und zu sehen. Die Performance dürfte auch die letzten Zweifer überzeugt haben, dass die Idee mit dem Hellraumprojektor nicht nur witzig und originell ist, sondern ein wirkliches künstlerisches Potential hat.


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Im digital brainstorming Podcast erklären die beiden Konzept und Potential dieser originellen Methode

Mehr zum Thema auf der Website des Projekts "Kunst und Musik mit dem Tageslichtprojektor"

Immer wieder Thema ist das Konzept übrigens auch im Home Made Blog von Verena Kuni

Und weil es so schön ist erlauben wir uns das Projekt - Logo hier abzubilden.

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Hinweise zu einzelnen Websites der Künstler:


Christian Faubel: Der Strudel

Tina Tonagel
Ralf Schreiber

07.08.10

Heute abend Youtube-Lesung in der Basler Bblackboxx

Ein Man rasiert einen zweiten, arabisches Stimmengewirr, ein Boot mitten auf dem Meer: Geben Sie auf Youtube das arabische Wort "Haraga" ein und Sie werden unzählige Handy-Aufnahmen finden; Filme, in denen EmigrantInnen ihre lebensgefährliche Überfahrt von Nordafrika nach Europa dokumentieren. Heute abend 19 Uhr wird die Journalistin Susanne Zahnd im Basler Kunstort Bblackboxx, in unmittelbarer Nachbarschaft eines Flüchtlingslagers, aus diesen Filmen übersetzen. Diese Youtube-Lesung ist Teil des einwöchigen Workshops „Phone Home Haraga: Heath Bunting & James Kennard“. Die verschiedenen Aktionen kreisen um das Handy, das existentielle Ausrüstung für Haraga/GrenzübertreterInnen ist.Harag_1.png

Den Kunstort Blackboxx gibt es nur deswegen, weil wenige 100 Meter entfernt davon sich ein Empfangs- und Verfahrenszentrum des Bundesamtes für Migration befindet. Bblackboxx ist ein aufgegebener Kiosk an einer Waldlichtung, die nicht nur als Naherholungsgebiet für Basel, sondern auch als eine Art grosser Wartesaal für die Flüchtlinge fungiert. Von 13.30 Uhr bis 17 Uhr können die Flüchtlinge das Lager verlassen und halten sich oft auf der Lichtung vor dem Kiosk auf. Die Kunstwissenschaftlerin Almut Rembges, finanziell unterstützt insbesondere vom Kunstkredit Basel-Stadt, lädt nun seit vier Jahren in der Sommerzeit KünstlerInnen ein, die etwas anzubieten verstehen, das von EmigrantInnen, aber auch von allen anderen BesucherInnen der Gegend genutzt werden kann.

In einem Jahr konnten T-Shirts selber gedruckt werden, in einem anderen Jahr standen den EmigrantInnen Kameras zur Verfügung. Derzeit bieten die britischen Künstler Heath Bunting und James Kennard Workshops an. Heath Bunting und James Kennard werden heute abend ebenfalls anwesend sein; eine Möglichkeit, sich selber einen Eindruck davon zu machen, was nächste Woche bis und mit Freitag noch auf dem Programm steht.

Das Programm sowie den Ort finden Sie ausführlich unter www.bblackboxx.ch. Hier ein Beispiel eines Haraga-Youtube-Fimes.

Analoge Filmkameras aus dem Waadtländer Jura - der Mythos Bolex lebt

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Marlene Dietrich, Mahatma Gandhi, Aga Khan und Antoine de St. Exupéry - sie alle filmten in den 50er und 60er Jahren mit Bolex-Filmkameras aus Yverdon. 30 Prozent des Weltmarktes gehörten der Schweizer Firma. Ein kleines Wunder: Die Firma ist trotz Video und Computer nicht verschwunden - ein kleines Team in Yverdon rapariert (fast) alle alten Maschinen und produziert sogar jedes Jahr eine kleine Serie von 20 neuen Geräten. Mehr zum Thema und ein Interview als Podcast.

Das kleine Wunder ist am südlichen Rand von Yverdon zu besichtigen: In einem anonymen Geschäftshaus haben Firmenchef Marc Ueter und sein Techniker Otello Diotalevi das kleine Bolex Reich - und haben heute Kontakt mit der ganzen Welt. "Wir schicken Pakete nach Amerika, Asien, Afrika und auch in den Nahen Osten", erählt Marc Ueter bei einem Gespräch. Natürlich ist das kein Vergleich mit der grossen Zeit von Bolex - als jedes Jahr Tausende von Kameras die Werke in der Region verliessen.

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Trotzdem - ein kleines Wunder ist es schon: Und es sind nicht nur Nostalgiker und Sammler, welche die Bolex-Kameras schätzen. "Unsere Kameras funktionieren auch unter extremsten Bedingungen - in Kälte, Hitze, Staub und Feuchtigkeit", erklärt uns Firmenchef Marc Ueter. "Nach dem ersten Golfkrieg kriegten wir sogar eine Bolex-Kamera von CNN zur Reparatur".

Marc Ueter konnte das ganze Bolex-Lager übernehmen und hat heute ein riesiges Ersatzteillager: "Wir können heute fast jede Kameras reparieren - kürzlich kriegten wir sogar eine Kamera aus dem Jahre 1944 und sie läuft heute wieder".

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Das Lager ist so umfangreich, dass aus den alten Beständen sogar neue Kameras zusammengesetzt werden können. Eine davon - die H16 SBM ist nicht nur mechanisch, sie braucht auch keinen Motor und wird mit einer Springfeder betrieben. Dadurch ist sie total unabhängig von Strom und Batterien. Wenn die Feder ermüdet, kann sie einfach ersetzt weden, erklärt uns der Techniker Otello Diotalevi und zeigt uns dünne Bänder aus Stahlblech, die in die alten Federgehäuse eingesetzt werden.

Um eine neue Kamera zusammenzusetzen braucht Techniker Diotalevi ungefähr zwei bis drei Tage. Und so verlassen Jahr für Jahr ungefähr 20 Kameras das Atelier in Yverdon.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Objektive - von denen es auch heute noch etliche zu kaufen gibt - sie wurden einst von Kern in Aarau gefertig und erhalten auch heute noch die nötige Pflege und Aufmerksamkeit. Natürlich fehlt es im Bolex-Atelier nicht an den notwendigen Spezialwerkzeugen.

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Um die Objektive zu testen wird ein Testbild an die Wand geworfen.
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Und wie sieht die Zukunft von Bolex aus? - "Unser Material reicht noch für eine ganze Weile", meint Marc Ueter. Trotzdem hat man auch den Mut zu neuen Geschäftsfeldern und hat vor einigen Jahren in Martigny im Wallis ein kleines Atelier eingerichtet, das alte Filme digitalisiert. Und zwar nicht auf die einfach Art sondern hoch professionell: "Jedes Bild wird eingescannt und elektronisch aufbereitet". Das ist übrigens nicht einmal teuer und kostet nach Auskunft von Bolex ungefähr einen Franken pro Minute.


Bolex Yverdon

im digital brainstorming Podcast ist das Gespräch von Dominik Landwehr mit Marc Ueter von Otello Diotalevi in ganzer Länge zu hören. 13 Minuten in französischer Sprache.

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