« August 2010 | Main | Oktober 2010 »

25.09.10

Noch ist das Social Web wie Fernsehen – Notizen zu einer Tagung

„The Audience is the Message“ hiess eine Tagung, die das Zentrum für Kulturmanagement der Zürcher Hochschule Winterthur ZHAW am Freitag 24. September in Zürich durchführte. Untertitel : Social Media, Web 2.0, Communities und ihre strategische Bedeutung für die Kultur. Und siehe da: Das Thema gab einiges zu reden.

Ende der 90er Jahre, Internet und World Wide Web begannen gerade sich durchzusetzen, gabs öfters Diskussionen in der Art, wie man sie am vergangenen Freitag in Zürich hören konnte. Brauchen wir das? – Wollen wir uns nicht lieber auf unser Kerngeschäft konzentrieren? – Warten wir nicht besser, bis sich der Nebel gelichtet hat?

Ein bisschen zum Lichten des Nebels hat die Tagung beigetragen. Denn es ging für einmal nicht oder nicht nur um Spekulationen über die wunderbare elektronische Zukunft wie wir sie in den 90er Jahren dank den Cyber-Enthusiasten wie Nicolas Negroponte, Kevin Kelly oder Jaron Lanier zu hören kriegten.

Solid und nüchtern wie es sich in der Schweiz gehört gings auch um Fakten. Und die sind gar nicht so eindeutig. Fangen wir mit den Zahlen an: Facebook ist zwar eine gigantische Erfolgsstory und verbucht Zahlen, die sogar Google vor Neid erblassen lassen. Aber: Geld wird damit (noch) nicht verdient. Und wichtiger für uns wohl: Die Mehrheit der Benutzerinnen und Benutzer sind passiv. Social Web als Fernsehen, darauf wies etwa Klaus Siebenhaar, Leiter des Zentrums für Audience Development der FU Berlin hin. Das zeigt etwa die aktuelle ARD/ZDF Onlinestudie.

Ernüchternd sind auch die Resultate, die Helge Kaul vom Zentrum für Kulturmanagement zusammengetragen hat: Die grosse Mehrheit der angefragten Kulturinstitutionen nutzt Web 2.0 nicht. Ausnahmen bilden kleine Veranstalter und Bands. Eine andere Studie mit Schweizer Museen – eine Studie der Hochschule Luzern (Bettina Minder /Axel Vogelsang) bestätigt den Befund. Zu denken gibt einer der Gründe: Die Angst vor dem Kontrollverlust…

Dabei: Wer sehen will, wie der berühmte Long Tail funktioniert, der könnte sich bei den Erfolgsgeschichten der Social Media schlau machen. Gerade Nischen können mit den Mitteln des Web 2.0 wunderbar erschlossen werden. Dass auch für die Grossen etwas abfällt zeigt die Geschichte von Barack Obamas Wahlkampagne: Da standen keine reichen Paten zur Seite, gesammelt wurde stattdessen via Facebook. Der Erfolg lässt sich sehen…
Das wäre Grund genug sich über die neuen Möglichkeiten Gedanken zu machen. Klaus Siebenhaar sieht denn auch die strategische Seite: Es ist nicht mit ein paar Twitter-Linien und Facebook-Seiten getan. Und es reicht wohl nicht einen Praktikanten dazu abzukommandieren, hin und wieder einen netten Eintrag zu schreiben. Der geneigte Leser, die geneigte Leserin sprich User würde das merken…und entsprechend verstimmt reagieren.

Drei Erkenntnisse nimmt der Schreibende aus der Tagung mit:

Kontrollverlust: Kommunikation und Öffentlichkeit funktionieren nicht mehr so wie vor 20 Jahren. Denn
es gibt keine Kontrolle darüber(mehr), was geschrieben und gesagt wird. Und das steht eigentlich unserer Gesellschaft gut an. Meinungen und Ideen lassen sich nicht unterdrücken, auch dann wenn sie falsch oder sogar gefährlich sind.

Kommunikation in Unternehmen und Institutionen: Diese Situation ruft nach Menschen, die damit umgehen können und die Kommunikation nicht als Last sondern als Lust empfinden.

Es gibt neben der Kommunikation in der Breite – das wollen doch alle – auch noch eine Kommunikation in die Tiefe. Was nützt eine breit gestreute Botschaft, wenn der Adressat nicht (mehr) glaubwürdig ist. Wenn man ihm die Kompetenz dazu nicht zutraut. Kompetenz lässt sich prüfen. Zum Beispiel via Internet, via Facebook, Twitter, in der Blogosphäre…

Hinweise

Veranstaltungs-Infos
http://www.sml.zhaw.ch/de/management/zkm/tagungenevents.html

ARD/ZDF Onlinestudie.

http://www.media-perspektiven.de/5634.html#c19755
http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/

Helge Kaul: Web 2.0 Nutzung
Kommt bald…

Das Brooklyn-Museum in New York
http://www.brooklynmuseum.org/

Musik aus dem Nichts – Vernissage von Bruno Spoerris Geschichte der Elektroakustischen Musik in der Schweiz

vernissage-spoerri-2010-029a.jpg

Full House für die Präsentation der Geschichte der elektroakustischen Musik in der Schweiz – erschienen im Chronos Verlag und herausgegeben von Bruno Spoerri.

vernissage-spoerri-2010-000a.jpg
(Lucas Bennett - rechts im Bild- moderiert den Anlass)

Passender hätte der Rahmen nicht sein können – denn die Anfänge der elektronischen Musik und die Geschichte des Dadaismus liegen zeitlich nah beinander. Und dass Bruno Spoerris imposante Batterie von historischen Synthesizern, die vor dem Graffitti „Vorhölle“ des deutschen Action Künstlers Jonathan Meese aufgestellt war, darf durchaus auch als Zeichen gewertet werden: Elektronische Musik ist heute omnipräsent und in einer kaum noch zu überbietenden Vielfalt zu hören und entsprechend gross und heterogen dürfte auch das Publikum dieses umfangreichen Werkes sein.


Die Geschichte der elektronischen Musik hat in der Schweiz nicht mit Dieter Meiers Yello angefangen, meinte Spoerri im Scherz zu Beginn. Wo die Anfänge sind, läst sich im Buch nachlesen – auf über 400 reich illustrierten Seiten.
„Musik aus dem Nichts“ ist keine Monographie aus einem Block – sondern ein Werk, das viele unterschiedliche Stimmen zum Hören bringt: Gerald Bennett, Fritz Muggler, Daniel Weissberg, Markus Ganz, Jean-Martin Büttner, Thomas Meyer und Marcus Mäder – und auch der Schreibende hat etwas dazu beigetragen.

vernissage-spoerri-2010-013a.jpg
(Thomas Korber, Günter Müller und Norbert Möslang - sie gehören zu den eigenwilligsten Exponenten der elektronischen Musik der Schweiz)

Entsprechend vielfältig sind die Themen: Von der Vorgeschichte der elektronischen und elektrischen Instrumente über Hermann Scherchen und sein Experimentalstudio in Gravesano zum Centre de Recherche Sonores in Genf und dem Zentrum für Computermusik in Zürich bis zur Do-it-yourself Hacker und Bastlerszene. Nicht zu kurz kommt auch Pop und Subkultur und natürlich, von Boris Blank und Dieter Meier ist auch ausführlich die Rede, auch wenn sie die elektronische Musik in der Schweiz weder begründet noch erfunden haben...

Bruno Spoerri (Hg.): Musik aus dem Nichts. Die Geschichte der elektroakustischen Musik in der Schweiz. Zürich: Chronos 2010. Nähere Infos auf den Seiten des Chronos-Verlag. Die Publikation des Buches wurde vom Migros-Kulturprozent unterstützt.

Und übrigens: Die Produktion „Mars einfach 1.Klasse – Bilder und Töne aus der Zukunft“ ist immer noch online und kann als Podcast heruntergeladen werden. In der 60minütigen Sendung (Koproduktion Migros-Kulturprozent und Radio DRS) erzählt Bruno Spoerri die Geschichte der elektronischen Musik wie er sie erlebt hat - und der Mathematiker und Autor Bruno Stanek erzählt von der Geschichte der Raumfahrt. Hier gehts zum Podcast

vernissage-spoerri-2010-032a.jpg


23.09.10

Robotik- und Medienwettbewrb bugnplay.ch - Sofortgewinne für alle

bugnplay-cover-d-2010-pano.jpg


Der Medien- und Robotikwettbewerb des Migros-Kulturprozent geht in die fünft Runde. Zum Auftakt gibts eine Internet-Kampagne mit Gewinnchancen für alle. Und holen kann man sich dabei unter anderem eine professionelle Lötstation mit einem Bastelset im Wert von über 150 Franken

Die Internet-Kampagne findet sich auf dem neuen Portal des Migros-Kulturprozent . Zu gewinnen gibts da die erwähnten Profi-Lötstationen, dazu Einkaufsgutscheine für den Baumarkt OBI sowie Bücher und DVD zum Thema Do-it-yourself Elektronik.

Der Jugendwettbewerb bugnplay.ch geht dieses Jahr in die fünfte Runde. Und wieder sind spannende Elektronik-Bastel-Projekte, Websites und Videos gefragt. Auch dieses Jahr gibts einen Game-Award, der von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia mitunterstützt wird.

bugnplay.ch richtet sich an 8 bis 20jährige Kinder und Jugendliche. Man kann einzeln, als Gruppe oder auch als Klasse mitmachen. Die wichtigsten Termine: Ende Januar 2011 ist Anmeldeschluss. Die Projekte müssten bis Ende März 2011 fertig und eingereicht sein und am 14.Mai 2011 findet im Zürcher Theater der Künste die Preisverleihung statt.

Hier gehts zur Internet Kampage des Migros-Kulturprozent
und hier gehts zur Website von bugnplay.ch

migros-kulturprozent.jpg


20.09.10

Ken Rinaldos Bio-Roboter im Maison d'Ailleurs Yverdon

Der amerikanische Robotik-Künstler Ken Rinaldo zeigt im Maison d’Ailleurs von Yverdon eine Reihe von spektakulären interaktiven Installationen. Siebefassen sich alle mit biologischen Prozessen.

kenrinaldo-autopoiesis.jpg

kenrinaldo-autopoiesis-detail.jpg

Wie ein Ballet wirkt Ken Rinaldos Installation AUTOPOIESIS. Ein Dutzend filigraner Roboterarme im Raum – ausgestattet mit Wärmesensoren – richten sich elegant und geräuschlos nach dem Besucher aus und folgen seinen Bewegungen im Raum. Die Installation wirkt wie ein künstlicher Organismus. Geschaffen wurde sie im Jahr 2000 für das Kiasma Museum in Helsinki.

Ganz auf den Besucher geht auch eine weitere Installation ein: ENTERIC CONCSIOUSNESS sieht aus wie ein Liegestuhl, der die Form einer menschlichen Zunge hat. Der Liegestuhl verpasst dem Besucher ein Massage. Die Steuerimpulse stammen von einem künstlichen Magen nebenan in dem die Bewegungen von Bakterien analysiert werden.

ken-rinaldo-fish.jpg

Völlig autonom funktioniert schliesslich die Installation AUGMENTED FISH REALITY. In zwei Aquarien befindet sich je ein siamesischer Kampffisch. Sensoren analysieren seine Bewegungen. Im Lauf der Zeit hat der Fisch gelernt, dass er mit gezielten Bewegungen das elektrisch angetriebene Aquarium so verschieben kann, dass er näher oder weiter von seinem Argenossen entfernt ist.

Kuratiert hat die Ausstellung“Do robots dream of spring“ im Maison d’Ailleurs von Yverdon Patrick J.Gyger. Zu sehen ist sie noch bis zum 20.März 2011. Die Ausstellung wurde vom Migros-Kulturprozent mitunterstützt.

Ken Rinaldo ist auch sehr engagiert im Bereich der Lehre. Vor kurzem hat er ein umfassendes Lehrbuch zum Thema interaktive Kunst publiziert und auf dem Internet zugänglich gemacht

Im digital brainstorming Podcast erklärt Ken Rinaldo im Gespräch mit Dominik Landwehr die Hintergründe seiner Arbeit. In englischer Sprache - 10 Minuten).

Hier gehts zur Künstler-Homepage von Ken Rinaldo

ken-rinaldo-protrait-pano.jpg


06.09.10

Schweizer Künstler an der Ars Electronica

ars-panel.jpg

Zwar geht man nicht an ein internationales Festival, um dort Landsleute zu treffen. Trotzdem interessieren wir uns Jahr für Jahr auch dafür, welche Schweizer Werke an der Ars Electronica vertreten sind. Die Ausbeute 2010 lässt sich sehen - und unsere Übersicht ist sicher unvollständig

Vollkommen zeitlos, vollkommen unelektronisch ergo also analog: Cornelia Hesse-Honegger mit ihrer Dokumentation zu den Veränderungen von Insekten im Umfeld von Tschernobyl in den späten 80er Jahren. Passend zum Thema "Repair - Sind wir noch zu retten"

Ohne diesen thematischen Bezug waren die Schweizer Einreichungen zum Prix Ars Electronica; ein thematischer Bezug war dort auch nicht gefragt.

codact.jpg

Ganz prominent - nicht zuletzt aufgrund des grossen Platzbedarfs - die Klanginstallation Cycloïd-E von André und Michel Décosterd, die unter dem Namen Cod.Act auftreten. Sie haben mit einer aufregenden Klangskultpur einen Award of Distinction erhalten. Ihre Klangskultpur ist im Prinzip ein Chaos-Pendel, das sich von einem Motor getrieben, horizontal bewegt. In den Röhrensegmenten der Skulptur sind Messinstrumente und Lautsprecher eingebaut, die je nach Bewegung einen hypnotischen Klang erzeugen.

Die Brüder Decosterd sind übrigens bei digital brainstorming nicht unbekannt: Im Rahmen einer Ausstellung zu DIY Klangkunst war 2006 ihre Installation Ex-Pharao zu sehen.

Ebenfalls ausgezeichnet wurde an der diesjährige Ars Electronica eine Installation des Künstlers Zimoun: 216 prepared dc-motors / Filler wire 1.0mm" nennt sich seine Klangskulptur. Sie besteht wie der Name nahelaegt aus kleinen Motoren, die jeweils einen ca 1 Meter langen Stahldraht bewegen. Zimouns Arbeit wurde mit einer Honorary Mention ausgezeichnet.

zimoun.jpg

Dauergast an der Ars Electronica ist der Amriswiler Medienaktivist Stefan M.Seydel mit seinem rebell.tv. Sein Internet-Projekt - es besteht aus einem Blog, einem Audio und Videopodcast sowie einem Magazin - ist Medienpartner der Ars Electronica und Seydel deshalb mit einem voluminösen Wohnmobil im Hof der Tabakfabrik von Linz, dem diesjährigen Austragungsort des Festivals, präsent.

rebelltv.jpg

seydel-stocker-leopoldseder.jpg

Die Bildunterschrift hier könnte lauten: Unser Mann in Linz. Denn links und rechts von ihm sitzen zwei gewichtige Persönlichkeiten dieses Festivals: Hannes Leopoldseder, der Gründer der Ars Electronica und Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter. Und man ist doch versucht zu hoffen, dass das hier dokumentierte Gipfeltreffen Früchte trägt und nächstes Jahr noch mehr Schweizer zur Ars Electronica geladen werden.

Wie beim Fussball so gibts auch bei der Ars eine Jugendsektion. SIe trägt den Titel U19 - Freestyle Computing. Nicht ganz ohne Neid schauen wir Schweizer auf die über 600 Einsendungen, die Jahr für Jahr zusammenkommen. Darunter immer wieder ganz überraschende Werke wie zum Beispiel ein automatischer Töggeli-Kasten (Tischfussball). U19 lädt jedes Jahr auch Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Partnerwettbewerben nach Linz und so konnten die beiden Ostschweizer Jugendlichen Yasmin König und Ruben Frank dieses Jahr ans Festival gehen. Sie hatten mit dem Computergame LuSAeterna die Jury des Jugendwettbewerbs bugnplay.ch überzeugt, den das Migros-Kulturprozent seit fünf Jahren ausschreibt.

koenig-frank-ars-gehen.jpg

Wie die zwei Schweizer Jugendlichen die Ars Electronica erlebten, erzählen Sie übrigens im digital brainstorming Podcast.

Hier schliesslich gibts alles weitere zur Ars Electronica von Linz

Ars Electronica 2010 - die Sicht von zwei Schweizer Jugendlichen

koenig-frank-ars-gross.jpg

Repair - das Motto der diesjährigen Ars Electronica. Die Ars, wie sie auch genannt wird, ist der grösste Anlass für Medienkunst der Welt und gleichzeitig das wichtigste Forum für Kunst und Wissenschaft. Wie sehen Jugendliche diesen Anlass?

Die beiden 18jährigen Yasmin König und Ruben Frank haben mit ihrem Computergame LuSAeterna einen Preis beim Jugendwettbewerb bugnplay.ch gewonnen. Teil des Preises war eine Reise zur renommierten Ars Electronica im österreichischen Linz. Eingeladen waren sie vom dortigen Jugendwettbewerb - U19 Freestyle Computing.

Die beiden Schweizer Jugendlichen hatten während zwei Tagen Gelegenheit das riesige Festival zu besuchen. An einem Workshop konnten sie zudem ihr Projekt vorstellen.

koenig-frank-ars-praes.jpg

Im digital brainstorming Podcast erzählen die beiden von ihrem Projekt und von ihren Eindrücken. Gespräch: Dominik Landwehr. Länge: 10 Minuten.

Und hier gehts zum Wettbewerb bugnplay.ch und dem Partnerwettbewerb U19 Freestyle Computing der Ars Electronica.

home programm multimedia blog agenda newsletter links void referenten programmarchiv about

squares