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31.08.11

Der britische Kryptologe Tony Sale ist tot

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Er rekonstruierte den legendären Colossus-Computer, der den Alliierten im Zweiten Weltkrieg half, Deutsche Funksignale zu entschlüsseln. Nun ist er im Alter von 80 Jahren gestorben: Der britische Ingenieur und Konservator Tony Sale.

Tony Sale versuchte etwas fast Unmögliches: Mit ein paar Fotos und einer rudimentären Funktionsbeschreibung versuchte er, den legendären Colossus zu rekonstruieren. Jahrelang arbeitete er daran, 2004 war er am Ziel. Mit hartnäckiger Recherche und vielen Experimenten gelang ihm die Rekonstruktion der Maschine, die mit 4000 Elektronenröhren bestückt ist. Nicht ohne Stolz führte er Besuchern aus dem In- und Ausland die Maschine vor. Sie half den Allierten Codeknackern im britischen Bletchley Park beim Decodieren von verschlüsselten Signalen aus einem Funkfernschreiber, die mit der sogenannten Lorenz-Maschine verschlüsselt wurden.

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Ich hatte das Vergnügen Tony Sale im Rahmen meiner Enigma-Recherche 2006 zu treffen und zu interviewen. Tony Sale beantwortete nicht nur meine Anfrage innert Stunden, er gab mir auch sofort einen Termin und nahm sich Zeit, meine Fragen zu beantworten. Sale führte eine ganze Gruppe von zumeist pensionierten Ingenieuren an, die mit weiteren Rekonstruktions-Projekten beschäftigt waren. Eines davon war die Rekonstruktion der sogenannten Turing-Bombe, die beim Entschlüsseln der Enigma-Nachrichten half.

Nicht ohne Schalk erzähle er mir dort auch von seiner beruflichen Laufbahn. Zwar gehörte er nicht mehr zur Generation Codeknacker von Bletchley Park, aber seine Ingenieur-Laufbahn führte ihn doch in die Welt des Geheimdienstes. Sechs Jahre arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Seite von Peter Wright beim Inlandgeheimdienst MI5, dem es in den 80er Jahren gelang einen russischen Spion in London dingfest zu machen. Die britische Regierung verbot 1985 die Publikation des Buches „Spy Catcher“. Es erschien dann trotzdem – in Australien.

Seine Passion galt der Kryptographie. Seine Internetseite zu diesem Thema zu den besten und kompetentesten Darstellungen in diesem Gebiet – leider erschienen sie nie in Buchform.

Fotos by Dominik Landwehr (dlandwehr@bluewin.ch)

NZZ vom 2.3.2007: Die Colossus-Rekonstruktion (von Dominik Landwehr)

Tony Sales Seiten: Codes & Cypers: http://www.codesandciphers.org.uk/


Mythos Enigma: hptt://www.mythos-enigma.ch

Das Ende der Seite "Medienheft"

Das ist eine schlechte Nachricht: Die Online-Publikation Medienheft stellt ihren Dienst ein. Grund: Geldmangel. Die Online Seite, die von den beiden Landeskirchen getragen wurde, gehört zu den kompetentesten Stimmen in der Schweizer Medienpublizistik.

Hervorgegangen war die Seite aus dem legendären Zoom-Filmberater - die Publikation prägte während Jahrzehnte die Berichterstattung zum Thema Film und Medien. Und sie war- das sei an dieser Stelle vermerkt - die Zeitschrift, die ich als Gymnasiast an der Stiftschule Einsiedeln schon anfang der 70er Jahre abonniêrt hatte. Wer wollte konnte sich damals mit Hilfe der eingelegten Karteikarten ein aktuelles Filmlexikon aufbauen...

Schon damals aber beschäftige sich die Zeitschrift nicht nur mit dem Film, sondern mit den Medien insgesamt. Das waren damals Zeitungen und Zeitschriften, Radio und Fernsehen, aber eigentlich vor allem letzteres, also die SRG. Später gehörten natürlich auch die Lokalradios zu den Themen, denen man sich ausführlich widmete.

Die Zeitschrift erlebte verschiedene Metamorphosen bis sie dann ab Mitte 2000 als Online Publikation erschien.Nun ist also Schluss. Schade, sehr schade.

Die Medienheft Seite bleibt weiterhin online. Das ganze Archiv wird so erhalten, aber nicht mehr aktualisiert. Und auch eine Facebook-Fanseite wurde eröffnet.

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