26.09.16 10:45

Open Access - Utopie oder Sackgase

open-access-wikipedia.jpg

Was im Bereich der Software Open Source ist, das ist in der Wissenschaft Open Access. Das Modell verspricht zu viel, meint der ETH Wissenschaftsforscher Michael Hagner in der neusten Ausgabe des Online-Magazins 'Geschichte der Gegenwart'.

Offenheit ist das neue Schlagwort in der digitalen Welt: Open Source, Open Data, Open Access. Es leuchtet ein, denn offener Programmcode, offene Daten, offene Publikationen schaffen Zugang für alle in einer Zeit, da Daten, Code und Wissen sind die Goldwährung der Wissensgesellschaft.


Das gilt gerade auch für Open Access. Damit ist ein Publikationsmodell gemeint, das wissenschaftliche Artikel für alle zugänglich macht. Heute ist das anders: Wissenschaftliche Erkenntnisse sind in Tausenden von wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert, die von den Universitäten für Millionen von Franken abonniert werden müssen. Das stösst vielen sauer auf, wurden doch die Ergebnisse mit staatlichen Mitteln also mit Hilfe der Steuerzahler finanziert. In der Schweiz verlangt beispielsweise der Nationalfonds neuerdings, dass wissenschaftliche Ergebnisse, die mit Förderung des Fonds finanziert wurden, auch als Open Access Publikationen zugänglich gemacht werden müssen.


So weit so gut. Der ETH Wissenschaftsforscher kommt in seiner kritischen Analyse zum Schluss, dass das eine Utopie ist:


«Auf einen Nenner gebracht, könnte man sagen: Als Geschäftsmodell des akademischen Kapita¬lismus ist OA Realität, als Programm dafür, die Menschheit im gemeinsamen intellektuellen Gespräch und Streben nach Wissen zu vereinigen, ist es eine Utopie. »


Der Grund ist einfach: Auch Open Access verursacht Kosten. Und die grossen Wissenschaftsverlage, allen voran Elsevier, Springer und Wiley haben bereits zwei der grossen Open Access Plattformen in ihren Besitz gebracht. Man mag ihnen hemmungslose Gier unterstellen. Das ist im Kapitalismus nicht unüblich. Grund der Gier der Verlage ist die Gier der Wissenschaften nach Publikationen. Woher die Gier? - Wissenschafter werden heute fast ausschliesslich an der Anzahl ihrer Publikationen in renommierten Fachzeitschriften, so genannten High Impact Journalis gemessen. Und diese Zeitschriften sind in der Hand von einigen wenigen Verlagen, die sich damit eine goldene Nase verdienen.

Ein lesenswerter Artikel zu einem komplexen Theman, das auch in der Fachwelt nicht überall verstanden wird. Zu lesen in der noch jungen Online-Zeitschrift 'Geschichte der Gegenwart' , die mit konstant hoher Qualität anspruchsvolle Themen behandelt und damit ein Gegenmodell zur immer flacher werdenden Medienlandschaft setzt.


Michael Hagner:
Open_Access: Wie der akade­mische Kapita­lismus die Wissen­schaften verändert


www.geschichtedergegenwart.ch





Publiziert von Sternenjaeger am 26.09.16 10:45 in der Kategorie lesen

< Älterer Beitrag | Neuerer Beitrag >